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Tote schlafen besser

The Big Sleep. GB 1978. R,B: Michael Winner. K: Robert Paynter. S: Frederick Wilson. M: Jerry Fielding. P: ITC, Winkast Film Productions. D: Robert Mitchum, Sarah Miles, Richard Boone, Joan Collins, James Stewart u.a.
99 Min. United Artists ab 18.5.79

Mitchum vs. Bogart

Von Daniel Albers Das ist schon so eine Sache mit den Remakes. Begehrteste Objekte sind natürlicherweise die großen Klassiker ihrer jeweiligen Genres. Bei den Psychothrillern hat es vor gar nicht so langer Zeit Hitchcocks Meisterwerk Psycho erwischt, dessen Remake trotz unglaublich hochkarätiger Besetzung und bis auf die Einstellung genauer Nachstellung jeder einzelnen Szene Gus van Sant 1998 grandios in den Sand gesetzt hat, nachdem er noch ein Jahr zuvor mit Good Will Hunting sein großes Können unter Beweis gestellt hatte. Und selbst Tim Burton, eigentlich Garant für skurrile, alles andere als abgeschmackte Kinomärchen, hat im Jahre 2001 mit seinem Planet of the Apes nur ein blasses und wenig wirkungsmächtiges Abbild von Franklin J. Schaffners Science-Fiction-Meilenstein geschaffen.

Michael Winner hat sich 1978 an Howard Hawks' großem Film noir The Big Sleep versucht, und der deutsche Titel suggeriert sogar, daß er es besser gemacht hat als Hawks 1946. Der geneigte Fernsehzuschauer möge urteilen, ob Winners Entscheidung, Raymond Chandlers Story um den melancholischen Macho-Moralisten Philip Marlowe aus dem dekadenten Los Angeles der 40er Jahre ins dekadente London der 70er zu verlegen, richtig war.

Dort nämlich, im alten, aber nicht ganz so alten Europa, wird dieses Mal Robert Mitchum als Privatdetektiv angeheuert, und zwar von niemand Geringerem als dem in Würde ergrauten James Stewart alias General Sternwood. Er soll dem Erpressungsversuch nachgehen, der an seiner Tochter verübt worden ist, stößt bei seinen Ermittlungen jedoch wie im Original auf ein komplexes Gewirr an Intrigen, das er unter Einsatz seines Lebens aufzuschlüsseln versucht.

Vor allem Robert Mitchum übernahm mit der ursprünglich von Humphrey Bogart so unnachahmlich (sic!) verkörperten Rolle des Philip Marlowe eine so tonnenschwere Hypothek, daß ein Scheitern zumindest des Anspruchs, es besser zu machen, vorprogrammiert war. Dennoch lohnt ein Vergleich, erst recht ob des Gastauftritts der Hollywood-Matratze Joan Collins als Buchhandels-Fachangestellte. 1970-01-01 01:00
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