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Trust – Die Spur führt ins Netz

Trust. USA 2010. R,B: David Schwimmer. B: Andy Bellin, Robert Festinger. K: Andrzej Sekula. S: Douglas Crise. M: Nathan Larson. P: Millennium Films, Nu Image, Dark Harbor Stories. D: Clive Owen, Catherine Keener, Liana Liberato, Viola Davis, Jason Clarke, Chris Henry Coffey, Jordan Trovillion, Nicole Forester u.a.
97 Min. Koch Media ab 2.12.11

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Original Kinotrailer.

The One Where Ross Makes a Bad Film About Child Molestation

Von Asokan Nirmalarajah Erinnert sich jemand an die eine ziemlich absurde, aber höchst amüsante Friends-Folge, in der Ross in den Vorstand der Santa Monica Rape Foundation gewählt wird und beschließt, ein dröges, moralisierendes Familiendrama über die Folgen einer Kindesmißhandlung zu drehen? Der Höhepunkt dieser Folge war das positive Kritikerecho, das dem Film entgegenschlug, in dem Clive Owen und Catherine Keener die erst schockierten, dann rachsüchtigen Eltern des 14jährigen Mißbrauchsopfers spielen, das auf einen Pädophilen aus dem Internet hereinfiel. Besonders witzig war die Szene, in der Amerikas namhaftester Kinokritiker Roger Ebert der so ambitionierten wie mißratenen Regiearbeit volle vier Sterne gab und sie sogar zu einem der besten, weil emotional eindringlichsten und intelligentesten Produktionen des Jahres kührte. Die Pointe dieser scheinbar verschollenen Sitcom-Folge bestand darin, daß keiner außer seinen engsten Freunden erkannte, daß Ross nur einen biederen, klischeebelasteten Fernsehfilm-der-Woche gedreht hatte. Was in der Skriptphase der Folge noch erwogen, aber nicht mehr gefilmt wurde, war die mehrfache Auszeichnung des Films, der trotz der besten Absichten nur für gepflegte Langeweile sorgt.

Dabei macht Trust – auf den ärgerlichen deutschen Untertitel »Die Spur führt ins Netz«, der samt eines Werbeposters, auf dem Clive Owen eine Pistole mit Finger am Abzug dekorativ vor sein Gesicht hält, versucht, das plakative Drama als Thriller zu verkaufen, wollen wir uns gar nicht erst einlassen – nicht viel mehr, als Robert Redfords Oscar-gekröntes Sozialdrama Eine ganz normale Familie (1980) als Vergewaltigungsdrama neu aufzulegen. Der Unterschied besteht dabei lediglich darin, daß das Trauma, das die Familie zerrüttet und das hier von der jugendlichen Protagonistin verarbeitet werden muß, nicht von den Schuldgefühlen am Tod eines anderen Familienmitglieds, sondern vom Mißbrauch durch einen Fremden herrührt, der sich ihr Vertrauen erschlichen hat. Doch das äußerst oberflächliche, arg konstruiert und sehr artifiziell wirkende Skript, das sich David Schwimmer (ein herrlich alberner Künstlername für Ross) für seine reichlich uninspirierte Inszenierung als Vorlage genommen hat, kann dieser heiklen und unangenehmen Thematik weder neue, noch authentische Einsichten entlocken. So läßt sich die Bereitschaft des talentierten Ensembles, ihre Zeit für das Projekt zu opfern, weniger mit dem Material, als mit der mit dem Vorschlaghammer vermittelten Botschaft des Films erklären.

Und damit auch die Zuschauer, die angesichts der flachen Figuren, den ärgerlichen Dialogen und den zunehmend hysterischen und unlogischen Familienszenen schnell das Weite suchen, diese Botschaft noch mitbekommen, läßt sich der erhobene Zeigefinger hier von der ersten Szene an blicken. So verkommt der Film recht bald zu einem cautionary tale darüber, was passiert, wenn man der Tochter einen Laptop zum Geburtstag kauft und sie unkontrolliert im Internet chatten läßt. Und als wäre das nicht genug, wird gleich die gesamte westliche Kultur verantwortlich gemacht, deren maßlose Sexualisierung jugendlicher bis kindlicher Körper in den Medien doch nicht ohne Folgen für unsere Gesellschaft sein kann. Ob sich nun so klare und eindeutige Parallelen zwischen den perversen Fantasien des pädophilen Monsters des Films, überzeugend gespielt von Chris Henry Coffey als schmierigen Durchschnittsamerikaner, und denen einer vermeintlich oversexten Gesellschaft ziehen lassen, wie es der Film suggeriert, sei mal dahingestellt. Sicher ist nur, daß Ross einen zornigen, zeitgenössischen Film über ein wichtiges, brisantes Thema drehen wollte, aber an der unfreiwillig komischen Inkompetenz seiner Umsetzung scheitert. 2012-06-19 15:29

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