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Hells Angels vs. Bandidos – Der Rockerkrieg

Hell’s Angels against Bandidos – The Merciless Law of the Bikers. F 2011. R,B,K: Xavier Deleu, Mikael Lefrancois. S: Christophe Le Nagard. M: Pascal Cardeilhac.
62 Min. Ascot Elite ab 31.1.12

Sp: Deutsch, Englisch (DTS, DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Trailer, Dokumentation Die inoffizielle Geschichte der Harley-Davidson.

Feinde fürs Leben

Von Nils Bothmann Die Figur des Bikers ist ein moderner Mythos, der gerne auch in den Medien untersucht wird. Doch nicht nur die freiheitsliebenden Reiter auf der einsamen Landstraße strahlen eine Faszination aus, auch die Kehrseite der Medaille, die kriminellen, in Gangs organisierten Rocker. In Actionthrillern wie Stone Cold – Kalt wie Stein und Made of Steel – Hart wie Stahl folgte der Zuschauer in den 1990er Jahren noch Undercover Cops bei ihren Ermittlungen in dem Milieu; in der 2008 gestarteten Serie Sons of Anarchy von The Shield-Autor Kurt Sutter sind die Biker längst selbst die Hauptfiguren. Anhand des titelgebenden fiktiven Motorradclubs erzählt Sutter auch viel über das Wesen, die Wertvorstellungen und die Organisation einer Bikergang – und ist dabei trotz seiner Bindung an Erzählkonventionen wesentlich strukturierter als Hells Angels vs. Bandidos.

Die fürs französische Fernsehen gedrehte Doku erzielte rekordverdächtige Quoten, war es doch das erste Mal, daß ein Kamerateam Zugang zu Treffen der Bandidos erhielt und dort zumindest eingeschränkt filmen durfte. Viele der Informationen über die Organisation der Bandidos erhält der Zuschauer allerdings erst im letzten Filmdrittel, welches zum Großteil aus Aufnahmen bei den französischen Mitgliedern der Gang besteht und dabei die interessanten Einblicke liefert. Doch es bleibt bei Einblicken, denn das, was der Titel verspricht, liefert Hells Angels vs. Bandidos nicht: eine detaillierte Beschreibung der Auseinandersetzung der Gangs. Immer wieder fließen einzelne Fakten und Informationsschnipsel ein, eine Geschichte der einzelnen Gangs liefert der Film allerdings ebensowenig wie einen chronologischen Abriß des Rockerkrieges. Es beginnt mit der Sturgis Rally, dem größten Bikertreffen der Welt, an dem unter anderem auch die Gangs teilnehmen; später filmt man eine Gerichtsverhandlung in Duisburg, wo ein Hells Angel für den Mord an einem Bandido angeklagt ist, oder besucht die dänischen Ermittlungsbehörden, in deren Land der Rockerkrieg in besonders drastischen Gewaltakten gipfelte.

So bleibt ein Flickwerk an Eindrücken, das mal die Biker, mal die auf sie angesetzten Polizeibehörden in den Blick nimmt, dem es jedoch an Kohärenz und Struktur mangelt. Daß die Montage dabei brav nach Lehrbuch vorgeht und auf Experimente verzichtet, ist angesichts des TV-Hintergrundes verschmerzbar. Daß die Erzählerstimme aus dem Off allerdings oftmals in den sensationslüsternen Ton von Boulevardmagazinen verfällt, verärgert hingegen – sowohl in der deutschen wie auch der englischen Sprachfassung, die auf der DVD zu finden sind. 2012-03-26 09:18

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