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Gantz – Spiel um dein Leben

Gantz. J 2011. R: Shinsuke Sato. B: Yûsuke Watanabe. K: Taro Kawazu. S: Tsuyoshi Imai. M: Kenji Kawai. Chubu-nippon Broadcasting Company, Fukuoka Broadcasting System, Gantz Film Partners, Hiroshima Telecasting u.a. D: Ken'ichi Matsuyama, Kazunari Ninomiya, Takayuki Yamada, Natsuna Watanabe, Yuriko Yoshitaka, Kanata Hongô, Tomorowo Taguchi, Shun'ya Shiraishi u.a.
130 Min. Sunfilm ab 22.9.11

Sp: Deutsch, Japanisch (DTS 7.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph (HD 1080p). Ex: Interviews, Making Of.

Gott ist eine schwarze – Kugel

Von Heiko Martens Die Eckpunkte asiatischen Filmschaffens, die den Sprung über den Kontinent schaffen und in welcher Form auch immer bei uns erhältlich sind, erzeugen mitunter widersprüchliche Regungen. Auf der einen Seite erfrischend in Ästhetik, philosophischer Aufladung und dem Spiel mit Genre-Versatzstücken, daß es eine Freude ist – Kunst basiert auf gutem Handwerk und einige dieser Filme erzählen hiervon.

Auf der anderen Seite sind einige Werke manchmal dermaßen böse, schräg und seltsam, daß man die intuitive Suche nach erklärenden Vorurteilen schon angestrengt bekämpfen muß, wenn man feststellt, daß dieser oder jener Film XY Millionen Kinobesucher in Japan, Südkorea oder ähnlich gehabt hat. Was treibt diese Menschen? Und vor allem in diese Filme?

Zum Inhalt: Der Jugendliche Kurono wird beim Versuch, in der U-Bahn einen Betrunkenen von den Gleisen zu retten, zusammen mit seinem Grundschulfreund Kato vom Zug überfahren. Doch statt des Todes wartet ein kleines Apartment in Tokyo auf die beiden. In diesem befindet sich Gantz, eine Kugel, die den Zwischenweltlern Anweisungen gibt, wobei es in erster Linie um die Vernichtung von Außerirdischen geht. Diese Aliens kommen aus aller Herren Planeten, haben seltsame Vorlieben und können nur durch angemessen futuristische Waffen getötet werden. Das Ganze ist ein Spiel, und wer sich als bester Killer erweist, sammelt Punkte für den Ausstieg – also das Weiterleben –, bessere Bewaffnung oder die Wiedererweckung eines Spielers, der in einer der vorigen Runden gestorben ist. Soweit noch mit an Bord? Zwischen den Spielrunden dürfen die Spieler nach Hause und werden nach Belieben von Gantz zurückgerufen. Die Kugel – oder vielmehr die in dieser Kugel sitzende Person – ändert zudem nach Gutdünken die Regeln. Kurono und Kato schlagen sich ganz gut, bis sie schließlich dem tausendarmigen Buddha selbst gegenübertreten.

Gantz hat in Japan rund drei Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt – und setzt sich nach diesseitigem Verständnis mit Schwung zwischen die Stühle.

Einerseits wird hier die Realfilmadaption des Mangas von Hiroya Oku handwerklich einwandfrei und mit augenscheinlich beträchtlichem Budget in Szene gesetzt. Dieser Comic hat inklusive Anime-Serie und Videospiel schon eine crossmediale Auswertung hinter sich, von der hiesige Produzenten vor allem auf dem Papier fantasieren. Als Vertreter des Seinen-Genres richtet sich der Manga dem Namen nach an junge Männer. Der Film wird diesem Anspruch auf seltsame Weise gerecht – verkennt das Zielpublikum dann aber doch mit flachen Charakteren und einer Figurenentwicklung, die dem Original leider keinen Tribut zollt.

Was das Exquisite der Grundideen anbelangt – dem mit nüchternem Gemüt zu folgen wohnt schon eine gewisse Herausforderung inne. Oder aber eine entspannte Haltung, die Offenheit gegenüber anderen kulturellen Hintergründen für eine Selbstverständlichkeit hält und den Kunsterzeugern ihre explodierenden Menschen als denknotwendiges Mittel für eine Vermittlung höherer Weisheiten gerne verzeiht.

Auf der Suche nach diesen Weisheiten kann mit Verve interkulturell gestritten werden. Oder man begnügt sich mit der glatten Oberfläche, die über eine Strecke von zwei Stunden eher mäßig unterhält – nur um am Ende zu verkünden, daß das Gan(t)ze noch weitergehen wird, nämlich im zweiten Teil, noch für dieses Jahr angekündigt. Scheint, als würde es da draußen noch ein paar Außerirdische mehr geben. 2011-09-27 09:23

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