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The Trip

GB 2010. R: Michael Winterbottom. B: Steve Coogan, Rob Brydon. K: Ben Smithard. S: Mags Arnold, Paul Monaghan. P: Revolution Films. D: Steve Coogan, Rob Brydon, Claire Keelan, Margo Stilley, Rebecca Johnson, Dolya Gavanski, Kerry Shale u.a.
175 Min. BBC DVD ab 13.12.10

Sp: Englisch (DTS 5.1). Ut: Englisch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Deleted Scenes, Diverse Featurettes, Bildergalerie.

Performances für die Ewigkeit

Von Werner Busch »There’s got to be some sort of drama in someone who can only express themselves through the voices of other people.« Die Stimmen anderer Leute, das sind zumeist britische Schauspieler. Diejenigen, die sie nachahmen, sind ebenfalls Schauspieler; Comedians auch: Steve Coogan und Rob Brydon fahren für das Observer Magazine eine Woche lang durch die malerische Landschaft Nordenglands. Jeden Tag besuchen und testen Sie ein Gourmet- Restaurant. Zu Tisch lenken sie sich mit dem Imitieren von Michael Caine, Ray Winstone oder wahlweise auch Arnold Schwarzenegger ab. Als halbfiktionale Abarten ihrer selbst mimt Brydon den zumeist Gutgelaunten und Gefestigten, wo Coogan die Unzufriedenheit über seine Schauspielkarriere und eine siechende Fernbeziehung mit flüchtigen Sexbekanntschaften, Kellnerinnen meist, zu exorzieren versucht.

The Trip ist zum Brüllen komische Comedy: Wenn Coogan und Brydon in ihren raumgreifenden Wortgefechten warm laufen und mit größter Improvisationskunst ihre Restauranttester-Situation in einen Schauspielkrieg verwandeln, sieht man plötzlich im kalt-sperrigen Licht eines Bumm-Bumm-Restaurants Funken von Genialität sprühen. Die beiden entwickeln aus dem Jetzt – dem Belanglosen, dem Zufälligen – Performances für die Ewigkeit, demonstrieren darstellende Kunst auf allerhöchstem Niveau. Seine Großartigkeit entwickelt das beinahe handlungsarme Format aber vor allem durch die Moll-Zwischentöne, die alltäglichen Lebenskrisen von Menschen in der Mitte des Lebens. »Everything is exhausting when you pass 40.«

Das Regie-Multitalent Michael Winterbottom hat die besonderen Vorzüge seines Darsteller-Duos in seinem 2006er Kinofilm A Cock and Bull Story erkannt und hier konsequent ausgeschöpft. Der Rahmen ist spärlich, die Stärken aber deshalb, durch das Forcieren von Improvisation, umso größer. The Trip ist jetzt schon ein Klassiker. Die einzigen Mankos sind die Unbekanntheit der Serie jenseits britischer Landesgrenzen (die DVD ist ausschließlich als Importware beziehbar) und eine noch immer nicht geplante zweite Staffel. Zumindest ist ein Kino-Release in den USA auf dem Wege, was die Chancen auf ein baldiges Wiedersehen mit den infernalischen Restauranttestern deutlich erhöht. Aber auch andernfalls behielte The Trip recht: »You’ve got stuck halfway towards your destination. You’re stuck in a metaphore!« 2011-07-26 09:25

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #62.
© 2012, Schnitt Online

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