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Die Teutonenwestern Collection

Die schwarzen Adler von Santa Fé (D/I/F 1965), Die Flußpiraten vom Mississippi (D/F/I 1963), Die Goldsucher von Arkansas (D/I/F 1964)
281 Min. Koch Media ab 26.11.10

Sp: Deutsch. Ut: keine Angabe. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Originaltrailer, Interviews mit den Darstellern Horst Frank und Brad Harris, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial.

Ich kam aus Alabama

Von Carsten Tritt Als der europäische Wildwestfilm, zunächst mit Pierre Brice und Lex Barker, an den Kinokassen einschlug, wollte natürlich auch Wolf C. Hartwig seinen Teil abhaben und begann ebenfalls in Jugoslawien Cowboy- und Indianergeschichten zu produzieren, auch wenn es ihm nicht vergönnt war, auf die Vorlagen von Karl May zurückzugreifen. Drei Hartwigsche Ausflüge ins Westerngenre sind nunmehr in einer DVD-Box zusammengefaßt: Die Flußpiraten vom Mississippi, Die schwarzen Adler von Santa Fé und Die Goldsucher von Arkansas.

Der erste und schwächste unter Hartwigs Leitung war dabei Die Flußpiraten vom Mississippi aus dem Jahr 1963. Regisseur Jürgen Roland hatte zwar unstreitige Verdienste um den deutschen Film erworben, wenn es um Milieuzeichnungen ging, in der Westernproduktion fand er sich allerdings nicht zurecht, und schaffte es wohl vor allem nicht, Hartwigs sicherlich ambitionierten Drehplan einzuhalten. Im Laufe der Dreharbeiten engagierte Hartwig noch Gianfranco Parolini als zweiten Regisseur, der deutlich fixer arbeitete als Roland, und trotzdem scheinen die beiden nicht ganz fertig geworden zu sein: Das Endresultat wirkt stellenweise holprig, und das dürfte kaum die Schuld sein von Cutter Herbert Taschner, sondern einfach daran liegen, daß einzelne Einstellungen, die für einen flüssigen Übergang gebraucht worden wären, einfach fehlen und nicht mehr gedreht werden konnten. Ein zweiter Fehler der Flußpiraten lag in der Besetzung von Hansjörg Felmy in der Hauptrolle, was somit zu einer recht milchbubihaften Heldenfigur führt. Dennoch ist auch bei den Flußpiraten einiges richtig gelaufen (weswegen es ja auch noch zwei weitere Filme gab), zum einen begeistert Horst Frank als Bösewicht, und zum zweiten wurde Felmy der zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratene Brad Harris zur Seite gestellt. Der kantige US-Darsteller und kurzzeitige Sandalenfilmheld Harris war Hartwig mal über einen italienischen Koproduzenten aufs Auge gedrückt worden und fiel vor allem durch seine Fähigkeit auf, Kampfszenen und Stunts realistisch und hart choreographieren und inszenieren zu können. Die Gelegenheit, in Personeneinheit mit dem Schauspieler auch noch einen hervorragenden Stuntkoordinator zu verpflichten, erkannte somit auch Hartwig, und folglich sind bereits in den Flußpriaten vom Mississippi die Action- und Schlägereiszenen der eigentliche Genuß. Zudem sind die Flußpiraten zumindest auch als kleine filmhistorische Fußnote relevant, stellen sie doch die erste Zusammenarbeit von Brad Harris, Gianfranco Parolini und dem 2009 verstorbenen Tony Kendall alias Luciano Stella (er spielt in den Flußpiraten wie auch im schwarzen Adler von Santa Fé den Indianerhäuptling) dar. Es sollte später das Trio Parolini, Kendall und Harris sein, daß mit den Kommissar X-Filmen die beste italienische Antwort auf die noch junge James-Bond-Reihe gab.

Bei Die schwarzen Adlern von Santa Fé und Die Goldsucher von Arkansas hatte das Produktionsteam dann dazu gelernt, und diese sind nun auch inszenatorisch gelungener. Brad Harris tat sich in beiden Filmen nun mit Horst Frank als Heldenduo zusammen, was für weiterhin gute Action und rauhe Charaktere garantierte. Welcher der beiden Filme hierbei besser ist, ist kaum abzuschätzen: Der von Ernst Hofbauer inszenierte Die schwarzen Adler von Santa Fé überzeugt dabei vor allem durch die Darstellerriege (neben Harris, Frank und Kendall gefallen noch Pinkas Braun, Werner Peters, Edith Hancke und natürlich auch Joseph Egger, der aber auch bei den Goldsuchern mitwirkt), Paul Martins Die Goldsucher von Arkansas ist hingegen inhaltlich etwas dichter gehalten. Die Handlung ist übrigens in allen drei Filmen ungefähr dieselbe: Bedrängte Siedler werden jeweils von kriminellen Kräften in die Enge getrieben, die hierzu jeweils auch den lokalen Indianerstamm für sich instrumentalisieren wollen, der am Ende jeweils entscheiden muß, welcher Seite er den Tag rettet. Allerdings kommt es auf das Drehbuch wohl bei diesen Filmen am wenigsten an, sondern vielmehr darauf, was die Regisseure jeweils aus Brad Harris’ Actiontheater machen, und zumindest die Antworten Martins und Hofbauers hierauf wissen zu gefallen.

Als Bonus beinhalten die DVDs neben den Trailern noch Interviewauszüge aus Gesprächen mit Horst Frank und Brad Harris, die beide recht unterhaltsam und informativ sind, wobei es sich bei dem Gespräch mit Frank um dasselbe handelt, das teils in identischen und teilweise auch in anderen Auszügen schon auf der DVD von Das Geheimnis der drei Dschunken veröffentlicht worden war. 2011-04-22 09:11

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