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Film Noir Collection Box 1

Die blaue Dahlie (USA 1946), Schwarzer Engel (USA 1946), Spiel mit dem Tode (USA 1948).
278 Min. Koch Media ab 3.12.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: Originaltrailer, Bildergalerien mit seltenem Werbematerial.

Die Uhr tickt

Von Tina Hedwig Kaiser Endlich mal wieder schwarzer Film: Koch Media versammelt drei tolle und selten im Fernsehen gezeigte Film-Noir-Klassiker in der ersten Film Noir Collection Box. Die blaue Dahlie von George Marshall aus dem Jahr 1946 ist u.a. der Grund dafür, weshalb Brian de Palma sechzig Jahre später seinem Film den Titel Die schwarze Dahlie gab. Marshalls Film ist ein Klassiker und als ein Jahr nach Filmpremiere ein tatsächlicher Mord an einer Schauspielerin verübt wurde, übernahm die damalige Presse den Filmtitel für den Fall. In Marshalls Film geht es jedoch um den Mord an der alkoholabhängigen Schauspielerin Helen. War es ihr Mann, ein Bekannter, ein Freund? Die Indizien führen über verschlungene Pfade quer durchs Nachtclub- und Unterweltmilieu. Und man weiß ja: für diese Schattenwelten ist und bleibt der Film Noir das beste Genre.

In diesen Filmen taucht oft das schicksalhaft zusammengeführte »Ermittlerpärchen« auf, die als Detektivlaien versuchen, den Fall zu klären – aus persönlichen, freundschaftlichen oder auch und gerne amourösen Gründen. Da ist dann eine starke, selbstbewußte, moralisch relativ unantastbare Frau, die der Ermordeten als gegenläufiges Rollemodel dient. In Schwarzer Engel von Roy William Neill, ebenfalls aus dem Jahr 1946, finden so die Frau des verdächtigen Mörders Benett und der Witwer der ermordeten Sängerin Mavis Marlowe zusammen. Benetts Frau bleibt felsenfest von der Unschuld ihres Mannes überzeugt und setzt alles daran, den Fall aufzuklären. Auch dann noch, als sich Mavis Mann schon längst in sie verliebt hat. Für sie gibt es kein Wenn und Aber, sonden nur den geraden Weg. Es ist offensichtlich – und schon oft genug konstatiert worden –, daß die damaligen Frauencharaktere den männlichen Parts haushoch überlegen sind. Die Männer sind Schurken, Trinker, Schuldner, Melancholiker und Depressive – egal auf welcher Seite des Gesetzes sie stehen, die Frauen müssen sich mit ihrer Cleverness immer wieder dieser erwehren. Ein Ausnahmefall ist in diesem Muster allerdings Spiel mit dem Tode von 1948 nach dem Roman »The Big Clock« von Kenneth Fearing. George Stroud als erfolgreicher, aber überarbeiteter Chefredakteur des Krimimagazins »Crimeways« will nach unzähligen mißglückten Versuchen endlich mit Frau und Sohn in den Urlaub fahren. Doch innerhalb von 36 Stunden taumelt er in eine Mordgeschichte, in der er selbst als Verdächtiger da steht und sich nur noch hinter der großen Uhr seines Verlagshauses verstecken kann. Er wird von seinem Chef auf den Fall angesetzt, in dem er sich selbst natürlich nicht als Hauptverdächtigen präsentieren will. Doch er hat keine Zeit zum Nachdenken, alle und alles scheint sich gegen ihn verschwört zu haben. Er wird also zum Einzelkämpfer, der erst ganz am Schluß seine Frau in die Geschichte einweihen kann. Die Frauen sind hier also ausnahmsweise mal nur Geliebte oder Ehefrau. Die Geschichte jedoch nicht minder spannend, denn schon allein Charles Laughton darf auf bravouröse Weise den fiesen Verlagsleiter geben. Das sind sie also – die Zeiten vor Neo-Noir. 2011-04-18 09:19

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