— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Federico Fellini Collection

Achteinhalb (F/I 1963), Fellinis Casanova (I 1976), Fellinis Stadt der Frauen (I/F 1979), Ginger und Fred (I/D/F 1985), Julia und die Geister (I/F/D 1965), La Strada (I 1954), Die Müßiggänger (I 1953), Die Nächte der Cabiria (I/F 1957), Die Schwindler (I/F 1955), Der weiße Scheich (I 1952).
1173 Min. Arthaus ab 3.3.11

Sp: Deutsch, Italienisch (DD 1.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1 u.a. Ex: Hörfilmfassung La Strada, ungekürzte Fassung La Strada, Fellini erzählt: Ein wiederentdecktes Selbstporträt, Fellinis Der weiße Scheich und andere Geschichten, Die Fellini-Sammlung der Lilly Library, Giulietta Masina – Die Kraft eines Lächelns, Presseheft (PDF), Biografie, Trailer, 10 Wendecover.


X-beliebige Filme

Von David J. Lensing Roberto hat das goldene Zigarettenetui gestohlen. Für einen Gauner seiner Kragenweite ist das ein Kavaliersdelikt, doch auf einer Feier unter Gleichgesinnten gelten andere Gesetze. Die Konsequenz des Fehlgriffs ist die Bloßstellung und ein Verweis auf die Spielregeln. Die unangenehme Szene, in der Roberto von Seinesgleichen aufgefordert wird, das Etui und eine Entschuldigung herauszurücken, entspringt dem Film Die Schwindler, auch bekannt als Il Bidone – Fellinis Gauner. Doch bekannt ist relativ, denn das sechste Werk des italienischen Regisseurs Federico Fellini ist in der Versenkung verschwunden: Von Publikum und Kritik verschmäht, von nachfolgenden Meisterwerken in den Schatten gestellt. In einer neuen Collection, die zehn der insgesamt über zwanzig Filme des so genannten »Maestros« umfaßt, taucht er nun wieder auf: Der Film über drei Kleinkriminelle aus der italienischen 1950er Jahre Mittelschicht, die anti-Hood'sche Geschichte über das Berauben der Armen zur Bereicherung der Seinen. Hier stehen richtig und falsch, gut und böse, Recht und Unrecht, im Kontext der Protagonisten und ihres Umfelds – wie so oft, bei Fellini.

Ob ein Straßenmärchen über Zigeuner, die Schaffenskrise eines renommierten Regisseurs oder eben die Gewissensbisse der Gauner: Federico Fellini gelingt es, stets auf Augenhöhe seiner Figuren zu bleiben. Seine Filme sind keine sterilen Milieustudien von oben herab – vielmehr ist er mit seiner Kamera ein Komplize, mittendrin im Geschehen und hautnah an den Schauspielern, die er so liebt. Manche mehr als andere: Seine Frau und Muse Giulietta Masina zum Beispiel und natürlich sein »Alter Ego« Marcello Mastroianni traten immer wieder für ihn vor die Kamera. Gemeinsam zu sehen sind die beiden Wiederholungstäter in Fellinis Ginger und Fred, der ebenfalls Bestandteil der von der Kinowelt GmbH vertriebenen Collection ist. Der italienische Schriftsteller Tulio Kezich beschrieb Fellini einmal als »x-beliebiges Kind« aus einer »x-belieben Kleinstadt« – und ebenso erscheint die Auswahl der Filme für die bis dato umfassendste Fellini-Collection: Sie konzentriert sich nicht auf die Meisterwerke und Oscargewinner, sondern bietet ein x-beliebiges Repertoire aus Fellinis Filmographie, vom Debütfilm (Die Müßiggänger) über unbekannte Frühwerke (Die Schwindler) bis hin zu den meisterhaften Höhepunkten seines Schaffens (wie 8 ½ und La Strada – Das Lied der Straße), allesamt in ungeschnittener Langfassung. So gesehen bietet das DVD-Paket einen abwechslungsreichen und eindrucksvollen Zugang zu einem schon seinerzeit äußerst umstrittenen Filmemacher, der nicht zuletzt seitens der katholischen Kirche heftig kritisiert wurde. Es war praktisch schon fünf vor zwölf, als die Academy den Künstler 1993 ein letztes Mal prämierte:

»Bitte setzt euch, macht es euch gemütlich«, begrüßte Federico Fellini damals das Publikum, kurz bevor er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk entgegennahm. Er habe mit der Auszeichnung gerechnet, allerdings erst 25 Jahre später. Dieser humorvolle, vom Alter gezeichnete Mann, der da sechs Monate vor seinem Tod noch eine allzu steife Veranstaltung mit seiner lässigen Art auflockerte, hat der Nachwelt seinen persönlichen, kleinen Filmkosmos überlassen: Als Experimentierfreund, Neorealist und Genrehopper sind seine Werke – trotz eindeutiger Handschrift (nicht umsonst spricht man von der »Fellinisierung«) – so unterschiedlich in Form und Inhalt, daß unmöglich ein einziger Film als stellvertretend für Fellinis Kino angeführt werden kann. 2011-04-13 09:12

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap