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The Joneses – Verraten und verkauft

The Joneses. USA 2009. R,B: Derrick Borte. K: Yaron Orbach. S: Janice Hampton. M: Nick Urata. P: Echo Lake Entertainment. D: David Duchovny, Demi Moore, Amber Heard, Ben Hollingsworth, Gary Cole, Glenne Headly, Lauren Hutton u.a.
98 min. Universum ab 25.2.11

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: keine.

Kapitalismuskritik in Watte verpackt

Von Carsten Happe Adornos Sentenz, es gebe kein richtiges Leben im falschen, erlebt derzeit ein ungeahntes Revival. Judith Holofernes von Wir Sind Helden deutet die geflügelten Worte in ihrer Replik zur »Bild«-Anfrage ihrem Kontext entsprechend um, und der Film The Joneses hat sie gewissermaßen zu seinem Leitmotiv erhoben.

Wenn sich Filmtochter Amber Heard auf leisen Sohlen dem schlafenden David Duchovny nähert und in sein Bett kuschelt – und dabei unterschwellig natürlich auch mit Duchovnys Californication-Image spielt – ist die Irritation kalkuliert, aber nur kurzzeitig. Denn diese Familie, komplettiert durch Demi Moore und Sonnyboy-Sohn Ben Hollingsworth ist ein kompletter Fake. Zusammengecastet und in Marketingseminaren geschult, schließlich in die Suburbs entsandt, den wohlhabenden Nachbarn, Kollegen und Schulkameraden ein Bilderbuchleben vorzugaukeln und sie zum Erwerb unverzichtbarer Luxusgüter zu animieren. Aber die heile Welt wird schnell brüchig, hinter den hochglänzenden Kulissen brodelt es, nicht erst seit der vermeintlich inzestuösen Annäherung der Tochter, die ein Faible für ältere Liebhaber entwickelt und damit unsanft auf die Nase fällt.

Auch Duchovnys Figur Larry Jones, die bewußt an den sarkastischen, freigeistigen Hank Moody aus Californication angelehnt ist, möchte mehr als die hübsche Fassade eines glücklichen Familienlebens – er wird damit zu seinem eigentlich besten Kunden, wenn man das zugrunde liegende Konzept zu Ende denkt, und letztlich zur größten Gefahr seiner erfolgreichen Durchführung.

Eine Truman Show in reverse, so darf man sich Derrick Bortes Debütfilm durchaus vorstellen. Die umgebende Welt ist real, so künstlich und aufgeblasen sie mitunter auch erscheinen mag, doch die Protagonisten sind es nicht. The Joneses ist natürlich in erster Linie Konsum- und Kapitalismuskritik, jedoch in Watte verpackt und sehr smooth, selbstsicher und sanft ironisch inszeniert. Der Regisseur und Autor Borte versteht es ausnehmend gut, seine Wendepunkte und Konfliktsituationen an den rechten Stellen zu setzen, das Timing des Films ist überraschend paßgenau. Ganz unaufgeregt steuern alle Handlungsstränge auf den großen Crash zu, der letztlich zu einem Befreiungsschlag umgedeutet werden kann – kein Happy End, aber ein Ausblick immerhin.

Die DVD wartet zwar lediglich mit fünf Minuten entfallener Szenen auf, aber diese geben noch einmal einen guten Einblick in den Entscheidungsprozeß, weshalb auf sie verzichtet wurde und warum dies richtig und einleuchtend war. Fast ein wenig schade, daß es The Joneses nicht in die deutschen Kinos geschafft hat, aber nun kann man ihn, getreu der Intention seiner Protagonisten, wenigstens käuflich erwerben und sich ein kleines bißchen besser fühlen. 2011-03-21 09:16

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