— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Der Frühreifen-Report

D 1973. R: Ernst Hofbauer. B: Günther Heller. K: Klaus Werner. S: Herbert Taschner. M: Alfred Dilz. P: Rapid Film. D: Ulrike Butz, Sonja Jeannine, Rinaldo Talamonti, Rosl Mayr, Hans Billian.
83 Min. Kinowelt ab 6.1.11

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.66:1 anamorph. Ex: Fotogalerie, Produktionsnotizen & Original-Plakat (DVD-Rom), Trailer.

»Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut!

Trotzdem muß einer den Schmutz wegkehren, der dabei anfällt.«

Von Carsten Tritt Vielleicht wird man irgendwann einmal von Ernst Hofbauer als den »guten Report-Regisseur« sprechen, so wie Carl Barks eines Tages der »gute Donald-Duck-Zeichner« wurde. Denn es sind gerade die Filme Hofbauers, des Regisseurs der ersten acht »Schulmädchen-Reporte«, die dann doch aus der Masse der deutschen Sexfilmchen der 1970er herausragen. Wie Barks Comics spielen Hofbauers Filme in einer seltsamen Stadt, von der nicht sicher ist, wo sie genau liegen soll, und die bei ihm nicht »Entenhausen«, sondern »München« heißt (offenkundig eine Anspielung auf den legendären Baron Münchhausen?). Die Bewohner dieses »München« und seiner umliegenden Dörfer sind keine Enten und Hunde, sondern aufgeklärte Schülerinnen und lüsterne Herren, die mit den Barksschen Pedanten allerdings deren geringe Wertschätzung für das Tragen von Beinkleidern teilen.

Ganz so trivial-lustig, wie heute oft gemeint wird, sind die »Reporte«, gerade jene, die von Wolf C. Hartwig produziert wurden, allerdings nicht. Hartwig sah stets ein buntes Potpourri als Ideal seiner Episodenfilme an, unschuldig-romantische Geschichten wurden mit deftigen Schenkelklopferhumor gekoppelt, und dann war auch meist noch eine richtig fiese Episode dabei, in der es meist entweder um Vergewaltigung oder Drogenmißbrauch ging; vor allem deshalb sind selbst heute noch mehrere der »Schulmädchen-Reporte« von der Bundesprüfstelle indiziert. Auch der Frühreifen-Report fängt mit einer besonders schmierigen Geschichte an, in welcher ein Herr in mittleren Jahren beginnt, eine angeblich Elfjährige in der Badewanne zu befummeln; hier sollte einem schon mal mulmig werden, und gerade diese zumindest nahe am Päderasmus liegende Inszenierung macht sicherlich keinen Spaß, auch wenn Hartwig nach eigenen Angaben stets Wert darauf gelegt haben will, nur Darstellerinnen zu nehmen, deren Alter den gesetzlichen Vorgaben entsprach, und die allenfalls jünger aussahen (was offenbar damals keine Selbstverständlichkeit war, wenn man an den Auftritt der zum Zeitpunkt des Drehs offenbar tatsächlich erst elf Jahre alten Katja Bienert in der äußerst fragwürdigen Karl-Spiehs-Produktion Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo denkt). Diese erste Episode wird sodann durch einen Cliffhanger unterbrochen und soll dem Film somit als Rahmen dienen, aber auch die zweite Geschichte, in welcher es darum geht, daß zwei tatsächlich Minderjährige ihre Eltern durchs Schlüsselloch beim Sex beobachten, ist sicherlich nicht ohne Geschmäckle.

Hofbauer hat diese Drehbuchvorgaben meist dadurch abgeschwächt, daß er sie ins Absurde überzeichnet hat, etwa in seinem Opus Magnum Schulmädchen- Report 4. Teil – Was Eltern oft verzweifeln läßt, in welcher die Inzestphantasien einer Protagonistin in abstrusen Traumsequenzen enden, oder dem für Karl Spiehs Lisa Film entstandenen Was Schulmädchen verschweigen (1973), in welchem gleich zu Beginn ein fieser Kinderschänder durch den Anblick nackter, ausgereifter weiblicher Brüste dergestalt paralysiert wird, daß ihn die herbeigerufene Polizei nur noch einpacken muß, und der in einer an den Spencer-Hill-Stil angelehnten Schlägerei zwischen italienischen Gastarbeiern und Satanisten endet. Der Frühreifen-Report läßt eine solch deutliche Anwendung eines V-Effektes bisweilen vermissen und ist somit zumindest teilweise von einer Unbehagen erzeugenden Drastik, die auch dann noch nicht komplett überwunden ist, wenn später in der humoristisch gedachten Geschichte mit Rinaldo Talamonti und Rosl Mayr sogar gleich zwei Genregrößen gemeinsam agieren dürfen. Allerdings kann man sich hier dafür genüßlich vorstellen, wie Stanley Kubrick in den 1970ern in einem schmuddeligen deutschen Aktualitätenkino gesessen haben könnte und sich durch die Szene, in der Talamonti den Busen der Mayr kräftig umfaßt, für die berühmte Szene mit der Frau aus der Badewanne von Zimmer 237 in Shining inspirieren ließ. Frühreifen-Report mag insofern nur eines der geringeren Werke in Hofbauers Œuvre sein, aber bleibt auch hier die Handschrift des Meisters nicht ganz ohne Reiz.

Talamonti steht übrigens im Gegensatz zu vielen anderen noch zu den Filmen, die er damals gedreht hat; angeblich betreibt er inzwischen ein italienisches Restaurant in dem oben schon erwähnten sogenannten »München« – wenn der Rezensent irgendwann herausfinden sollte, wo diese Stadt liegt, wird er mit Sicherheit mal dort essen gehen. Zwischenzeitlich wird der deutsche Film der 1970er sicherlich an allgemeiner Beachtung gewinnen – genug DVDs hierzu erschienen schließlich in jüngster Zeit, blättern Sie hierzu nur einmal das Angebot im DVD-Regal Ihres nächsten REAL- oder Kaufland-Marktes durch, dort die Rubrik »Erotik«; und vielleicht finden sich ja auch in nicht ferner Zukunft im Feuilleton der FAZ die ersten Artikelüber- und Bildunterschriften mit Zitaten aus den Ernst-Hofbauer-Filmen. 2011-03-07 11:50

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap