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Das Geheimnis des schwarzen Dschungels

I misteri della giungla nera. F/I/ES 1990. R: Kevin Connor. B: Sandro Petraglia, Stefano Rulli. K: Giuseppe Maccari. M: Pino Donaggio. D: Stacy Keach, Virna Lisi, John Rhys-Davies, Kabir Bedi, Derrick Branche, Günther Maria Halmer, Cornelia Hayes O'Herlihy, Gabrielle Anwar u.a.
298 Min. Pidax film ab 7.1.11

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: keine.

Kolonialismuskritik unter Palmwedeln

Von Tina Hedwig Kaiser Kolonialismuskritik im kitschigen Serienpopgewand – bestens also: Der berühmte Abenteuerroman von Emilio Salgari aus dem Jahr 1887 schafft es in dieser europäischen Koproduktion von 1990 einmal mehr zu Ehren. Selbst wenn hier vieles wie aus einer ZDF-Weihnachtsserie der Achtziger wirkt und das Drehbuch seine fragwürdigen Stellen hat – es ist dennoch ein gutes Serienstück, was hier letztlich zu Tage tritt.

Indiens tiefster Dschungel in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Maharadscha von Ragnagar und seine Familie werden Opfer eines Massakers. Nur sein Sohn und einige wenige Getreue überleben. Kammamuri, schön besetzt mit dem Sandokan-Darsteller Kabir Bedi, ein tapferer Krieger, nimmt sich fortan in der Tarnung eines Fischers des kleinen Prinzen Tremal Naik an. So wird der Prinz zum einfachen, aber natürlich vorbildlich aufrechten Fischerssohn erzogen. Parallel dazu kommt die junge Engländerin Ada mitsamt Mutter und Schwester nach Indien, um endlich wieder bei ihrem Vater, dem Colonel Corishant und Vorsteher der Ost-Indien-Linie, zu leben. Doch nicht lange: ein Sektenführer und neuer Maharadscha wird in ihr das perfekte Opfer für Göttin Kali erkennen und sie entführen. Zehn Jahre lang bleibt Ada verschwunden und wird zur Priesterin geschult. Erst Tremal Naik wird sie kurz vor ihrem 18. Geburtstag in einem verborgenen Tempel finden und befreien.

Genau hier geht dann der eigentlich spannende Teil los: Adas Vater glaubt nicht, daß Tremal Naik sie befreit hat und denkt, er gehöre zur Sekte der Entführer. Letztlich wird der Konflikt zwischen indienfreundlicher Mutter und Schwester sowie feindlichem kolonialistischen Vater auf den Schultern des baldigen jungen Liebespaares ausgetragen. Der Colonel kann nicht akzeptieren, daß aus Ada in den zehn Jahren Abwesenheit eine halbe Inderin geworden ist. In Parallelsträngen sehen wir ähnliche Paarsituationen, die genauso zwischen Europa und Asien hin- und hergerissen sind. Allen voran ein mit Günther Maria Halmer bestens besetzter Arzt und seine indische Assistentin, die zugleich die Kindfrau Tremal Naiks war. Schauplätze und Tieraufnahmen eines kolonialisierten Indiens wechseln sich so mit einem depressiven Europäertum ab, das zwischen Machtmißbrauch und Hilfe oftmals schizophren wechselt. Besonders schön ist dies am Schluß inszeniert – ob als bewußte oder unbewußte Regieleistung: Alle sind gerettet und alle Liebenden vereint, und sogar das alte Colonelehepaar Corishant hat ein kleines indisches Waisenmädchen adoptiert. Sie spielen mit ihm im Wohnzimmer auf dem Klavier – es ist ja auch so süß anzusehen – und im Hintergrund wedelt ein kleiner indischer Junge für die Familie den Palmenwedel. Er ist wohl gleichalt, aber wohl auch weniger süß. 2011-03-02 09:39

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