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Der Grenzwolf

Borderline. USA 1980. R,B: Jerrold Freedman. B: Steve Kline. K: Tak Fujimoto. S: John F. Link. M: Gil Melle. P: Incorporated Television Company, Lord Grade. D: Charles Bronson, Ed Harris, Bruno Kirby, Bert Remsen, Michael Lerner, Kenneth McMillan, John Ashton, Wilford Brimley u.a.
90 Min. EuroVideo ab 9.12.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 1.0). Ut: keine. Bf: 1.85:1. Ex: keine.

Grenzerfahrungen

Von Nils Bothmann Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist das Thema vieler Filme, häufig verbunden mit bestimmten, sich gelegentlich auch überlappenden Motivkomplexen. Zum einen ist Mexiko das Land, in dem amerikanische Touristen verschiedenen (in den USA) verbotenen Freuden frönen dürfen, wenn sie für einen Kurztrip nach Tijuana fahren, so wie es die Protagonisten von Curtis Hansons Frühwerk Die Aufreißer von der Highschool oder verschiedene Figuren in der TV-Serie Veronica Mars tun. Zum anderen stellt Mexiko auch den Rückzugsort für Gesetzlose dar, die dem Zugriff der amerikanischen Justiz entfliehen wollen – man denke an The Wild Bunch, Der Gehetzte der Sierra Madre und unzählige andere Western. Während diese Filme die Attraktion Mexikos auf Amerikaner untersuchen, thematisieren andere die Flut illegaler Einwanderer in die USA, den Drogenhandel im Grenzgebiet und den damit verbundenen Alltag dort, z.B. Ausgelöscht oder jüngst Machete. Die Aufteilung ist jedoch in nahezu jedem dieser Filme klar: Mexiko ist der Ort der Gesetzlosigkeit, an dem die Stärksten regieren und Zivilisten nur untergebuttert werden, während erstere in Amerika von jener Staatsgewalt verfolgt werden, die letztere in den USA schützt. Insofern treten Nuancen in jedem Einzelfilm vor allem in der Figurenzeichnung hervor, die ebenfalls mehr oder weniger differenzierte Grenzen ziehen kann.

Als 1980 Borderline erschien, konnte der liberal gesinnte Zuschauer sich durchaus vor dem Film fürchten: In der Hauptrolle Charles Bronson, der vor allem in den Folgejahren immer mehr zum Sinnbild des eisernen Vigilanten werden sollte, was der deutsche Verleih noch dadurch zu verstärken suchte, indem er den Film den markigen Titel Der Grenzwolf verpaßte und Bronson mitsamt Maschinenpistole vor der US-Flagge auf dem Plakat zeigte. De facto versucht Jerrold Freedmans Film allerdings sich recht nüchtern mit der Arbeit der Grenzpolizei und der Situation illegaler Einwanderer zu befassen; der Tod eines Freundes der Hauptfigur dient zwar als Katalysator, Racheorgien bleiben allerdings aus.

Doch der weitestgehende Verzicht auf Schauwerte, sieht man vom knalligen Actionfinale mal ab, trägt eher zum Scheitern von Der Grenzwolf bei, denn das Fehlen von Spektakelattributen läßt nur um so deutlicher hervortreten, daß es sich hierbei um einen reichlich bemühten und wenig aufregenden Thriller der Stange handelt. Der Grenzwolf verzichtet auf unangenehme Schwarzweiß-Malerei, gibt aber nur Stereotypen wider: Da ist das hilflose Immigrantenvolk, das von Schleppern wie Grenzpolizei gleichermaßen als Opfergruppe belächelt wird, da ist die schmierige Schmugglertruppe, die sich aus Amerikanern und Mexikanern zusammensetzt, und das sind die aufrechten Grenzpolizisten – und kaum eine der Figuren wird je über diese Klischees hinaus charakterisiert. Auch als politischer Kommentar taugt bestenfalls die immerhin die recht eingängige Auftaktsequenz, welche die Grenzpolizisten resigniert bei der Arbeit zeigt: Sie werden der Lage kaum Herr und haben sogar Mitleid mit den armen Illegalen, die bei der nächsten Gelegenheit sowieso wieder den Grenzübertritt versuchen werden.

Der Rest ist jedoch maue Krimikost, die neben Charles Bronson einen jungen Ed Harris als Bösewicht zu bieten hat, aber ohne größere Überraschungen oder einen dichten Spannungsbogen daherkommt. Da muß man im Endeffekt zugeben, daß manch anderer Bronson-Reißer sicherlich simpler und rechtskonservativer, aber auch spannender und actionreicher war. Die DVD-Neuauflage aus dem Hause EuroVideo ist wie der Film an sich also nur hartgesottenen Bronsonfans bei geringem Preis zu empfehlen: Der Grenzwolf liegt in deutscher Synchro sowie englischem Originalton und im richtigen Bildformat vor, ist aber wie alle bisherigen DVD- und VHS-Veröffentlichungen um zwei Handlungspassagen gekürzt, Extras gibt es keine. 2011-02-16 15:35

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