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Top Job – Diamantenraub in Rio

Ad ogni costo. I/E/BRD 1966. R: Giuliano Montaldo. B: Mino Roli, Marcello Fondato, José Antonio de la Loma, Marcello Coscia. K: Antonio Macasoli. S: Nino Baragli. M: Ennio Morricone. P: Constantin Film Produktion, Coral Producciones Cinematográficas, Jolly Film. D: Klaus Kinski, Riccardo Cucciolla, Georges Rigaud, Valentino Macchi, Robert Hoffmann, Adolfo Celi, Luciana Angiolillo, Edward G. Robinson u.a.
115 Min. Koch Media ab 24.9.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Interview mit Regisseur, Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial.

Die Profis

Von Carsten Tritt 30 Jahre lang hat ein Lehrer aus dem Klassenzimmerfenster in Rio beobachtet, wie im Nebengebäude Diamanten verladen wurden. Jetzt ist er pensioniert und will seinen Plan, die Diamanten zu stehlen, durch vier Auftragsgangster verwirklichen lassen.

Neben einer Dokumentation und einem Beitrag zu einem Episodenfilm hatte Regisseur Giuliano Montaldo vor Top Job zwei Spielfilme verwirklicht, einer der beim Publikum ankam und den Kritikern nicht gefiel, und einer der gute Kritiken bekam, den aber niemand sehen wollte, wie er im Interview im Bonusmaterial der DVD ausführt. Insofern dürfte es dem damaligen Erfolg von Top Job zu verdanken sein, daß es Montaldo später möglich war, ebenso gelungene wie politische Filme wie Gott mit uns, Sacco und Vanzetti und Brille mit Goldrand zu verwirklichen. Sein dritter eigenständiger Spielfilm ist somit ein recht atypischer Montaldo-Film, als er fest jenem Genre verbunden bleibt, welches man heutzutage als Heist- oder Caperfilm bezeichnet und zu kultivierteren Zeiten mal Riffififilm hieß. Er ist aber, obwohl reiner Unterhaltungsfilm, nicht minder geglückt ist.

Besonders beeindruckend ist dabei Montaldos Geschick, mit der Empathie des Publikums zu spielen. Seine vier Hauptfiguren sind kein innerlich verbundenes Team im Sinne von Ocean’s Eleven, sondern bleiben aus reinem Eigeninteresse handelnde professionelle Verbrecher – ein Elektriker, ein Schränker, ein Hochstapler und ein Militär – allesamt keine herausragenden Sympathieträger. Dennoch gelingt es dem Regisseur in jeder Sekunde, den Zuschauer in Hoffnung auf Gelingen des Coups mitfiebern zu lassen, wenn es heißt, die minutiöse Planung des Schullehrers umzusetzen und dabei die plötzlich auftretenden Unwägbarkeiten und Hindernisse zu bewältigen. Seine Figuren müssen hierzu eben nicht sympathisch sein, viel wichtiger ist, daß ihre Konstellation interessant ist, um in ihrem Rahmen die Anspannung durch dem Riffifi mit fast schon mathematischer Präzision auf den Punkt zu konzentrieren. Montaldo hat hierbei die Chancen des Drehbuchs also erkannt, dieses aber auch entschieden und mit eigenständigem Timing umgesetzt, und auch dadurch stellt Top Job somit einen Ausnahmefilm dar; da der Riffififilm bereits mit der Notwendigkeit eines sowohl komplexen als auch für die Zuschauer ebenso originellen wie nachvollziehbaren Raubes zumindest überdurchschnittliche Drehbuchanforderungen stellt, wählen die meisten der gelungenen Genrebeiträge, wie eben Topkapi, beide Verfilmungen von Ocean’s Eleven oder Der Clou, gerne einen humoristischen Unterton, um eventuelle Spannungsabfälle zu überbrücken – eine Absicherung, die selbst dann oft auftaucht, wenn der Film es eigentlich doch nicht nötig gehabt hätte. Der ernste Riffififilm wäre hingegen komplett als Film gescheitert und vor Langweiligkeit nicht mehr zu retten, wenn entweder der im Drehbuch angelegte Raub nicht interessant genug ist oder ohne entsprechende Bilder und angemessenes Timing inszeniert wird. So wie hier ohne dieses Sicherheitsnetz der Humorigkeit Tob Jop umgesetzt wurde, läßt es die Ersteller des Films schon selbst wie würdige Akteure eines Coups wirken. Wer neben Montaldo hierfür hauptverantwortlich war, nämlich den entscheidenden Einfluß auf das Buch hatte, bleibt dabei ein wenig unklar: Insgesamt haben mindestens sechs Personen am Drehbuch mitgewirkt, unter anderem der spätere Regisseur Marcello Fondato und sein mäßig talentierter Kollege Paolo Bianchini. Das gute Zusammenspiel zwischen Regie und Buch läßt hier mutmaßen, daß Mino Roli, mit dem Montaldo auch später noch bei Die Unschlagbaren und Sacco und Vanzetti zusammengewirkt hat, eine nicht unwesentliche Rolle zugekommen sein könnte. 2011-02-07 11:04

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