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Earth 2

USA 1995. R: Joe Napolitano, Jim Charleston, John Harrison, Félix Enríquez Alcalá u.a. B: Michael Duggan, Carol Flint, Mark Levin, Billy Ray u.a. K: Stephen Lighthill u.a. S: Tim Tommasino, Laurie Grotstein u.a. M: David Bergeaud. P: Amblin Entertainment, Universal TV. D: Debra Farentino, J. Madison Wright, Andrew J. Ferchland, Jessica Steen, Antonio Sabato Jr., Clancy Brown, Patrick Bauchau, Joseph P. Zimmerman u.a.
990 Min. Pandavision ab 21.10.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: Englisch. Bf: 1.33:1. Ex: Outtakes, Deleted Scenes.

Vergangene Zukunft

Von Arne Brücks, Michael Wedel Mit zwei Science-Fiction-Serien wollte Produzent Steven Spielberg Mitte der 1990er Jahre im Windschatten von Jurassic Park (1993) den erreichten Quantensprung in Sachen Special Effects auch ins Fernsehen tragen: In SeaQuest DSV (3 Staffeln, 1993-1996) werden die Weltmeere als – vom eigenen menschlichen Unwesen gefährdeten – Lebensraum der Zukunft erforscht. In Earth 2 (eine Staffel, 1994/1995) verschlägt es eine kleine Gruppe von Familien, deren Kinder unter einer schlicht »Syndrom« genannten Krankheit leiden, auf der Flucht vor der herrschenden Überbevölkerung der Raumstationen in die Rundum-Tundra des Planeten G889, genannt »New Eden«. Der ist zwar auch schon von zombieartigen »Terrianern«, Riesenreptilien ähnelnden »Grendlern« und tödliche Krallen verschießenden Kleinlebewesen bewohnt, wenigstens an seiner Oberfläche aber noch nicht allzu dicht besiedelt.

Unverkennbar handelt es sich bei beiden Serien um in die Zukunft gespiegelte Variationen US-amerikanischer Siedlungsgeschichte: Wem also der historische Stoff der Erschließung des amerikanischen Kontinents durch europamüde weiße Siedler während der sogenannten Pionierzeit zu trocken ist, kann sich mit Earth 2 an einer Science-Fiction-Saga gleichen Inhalts (wenn auch unter veränderten ideologischen Vorzeichen) erfreuen. In dieser Zukunftsversion des »frontier«-Mythos ist die Erde nicht nur schon vollständig erobert, sondern längst unbewohnbar geworden. Ein Bruchteil der Menschheit kann sich auf Raumstationen im Orbit des schon lange nicht mehr blauen Planeten retten. Nach über drei Generationen im Weltraum wagt sich besagte Gruppe von Abenteurern und alleinerziehenden Müttern und Vätern auf den Weg zum Planeten »Neu Eden«, der 22 Lichtjahre entfernt liegt. Die Regierung der Raumstationen versucht, schon den Start des Kolonieschiffes zu verhindern, weil sie den Kontrollverlust über den erdähnlichen Planeten fürchtet. Nach Jahren im Kälteschlaf erreichen die Pioniere schließlich Neu Eden. Gerade erst angelangt, wird das Raumschiff sabotiert, so daß die Passagiere sich in die Rettungskapseln flüchten und auf der Oberfläche des Planeten mit spärlicher Ausrüstung ihr Überleben in Eigenregie sichern müssen. Dazu ist es notwendig, eine geplante Landezone namens »New Pacifica« zu erreichen, wo die erste Kolonie der Menschheit auf dem Planeten einmal gegründet werden sollte. Da den wenigen Männern, Frauen und Kindern – eines von ihnen, Uly, ist am »Syndrom« erkrankt - nur drei Fahrzeuge zur Verfügung stehen, machen sie sich zu Fuß durchs offene Gelände auf den Weg. Unterwegs geraten sie sowohl mit dem Handelsvolk der Grendler als mit ausschließlich telepathisch kommunizierenden, unterirdisch hausenden Terrianern in Berührung. Aber auch Strafgefangene von den Raumstationen leben bereits auf G889, die Kolonisten werden zunehmend in die internen Machtkämpfe der Bewohner verstrickt, bevor der Planet schließlich von seinem Fluch erlöst und zum Frühling erweckt werden kann.

Ermutigt von der Neuausstrahlung der Serie in Deutschland und Österreich 2008/09 hat das Label Pandavision jetzt die komplette Serie auf DVD herausgebracht (leider bis auf einige Outtakes ohne nennenswerte Extras). Bei seiner Erstausstrahlung war Earth 2 zwar kein besonderer kommerzieller Erfolg beschieden gewesen, aber immerhin fand das von den letzten Ausläufern der hippiebewegten Aufbruchsstimmung angehauchte Alternativszenario der Serie als Gegenentwurf zur damals gängigen Hochglanz-Sci-Fi-Ware zumindest bei Kritikern einigen Anklang. Und selbst die Effekte, Mitte der 1990er Jahre im TV-Kontext sicher noch ein Meilenstein der technischen Innovation, erfüllen heute bestenfalls den Mindeststandard der Publikumserwartungen an eine Serie dieses Genres. Nicht abzusprechen ist Earth 2 aber ein gewisser trashiger Charme, mit dem die insgesamt etwas halbgar anmutende Zukunftswelt mit Versatzstücken aus ökologisch-politischer Korrektheit und esoterisch-schauerromantischer Versponnenheit ausgefüllt wird. Reinschauen sollte, wer sich der Schnittmenge zwischen Familienunterhaltung und Kultpublikum zugehörig fühlt (wenn es sie denn gibt). Und wer sich nicht daran stört, daß manche der Fantasiewesen in Totalaufnahmen ähnlich bewegungseingeschränkt agieren wie einige der Syndrom-Kinder. 2011-02-04 09:56

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