— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Fünf Freunde Collector's Edition

The Famous Five. UK 1978/1979. R: Peter Duffell, Sidney Hayers, Don Leaver, James Gatward u.a. B: Enid Blyton, Richard Carpenter, Richard Sparks, Gloria Tors u.a. K: Geoff Selling, Michael D. Smith. S: Christopher Wentzell, Roderic Cooke, Mike Womersley, Michael Hunt. M: Rob Andrews. P: Portman Productions, Southern Television.. D: Marcus Harris, Michelle Gallagher, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Toddy Woodgate, Michael Hinz, Sue Best, Friedrich von Thun u.a.
650 Min. Universum ab 8.10.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1. Ex: 16seitiges Booklet und Bonus-DVD.

5 Freunde – 5 Stimmen – 5 Texte

Von Querschritt Fünf Freunde freuen sich.
»Das ist ja irre schön hier!«
»Das ist ja ein fantastisches Haus!«
»Das ist ja ein toller Tunnel!«
Timmy ist rehabilitiert.


»Ich fand das sowieso nicht gut, daß wir Feinde waren« sagt Dick als die fünf Freunde nach einer kurzen mißglückten ersten Begegnung zueinander finden. Es muß nämlich alles immer ganz explizit gemacht werden – von den Kindern für die Kinder.

»Das ist ja unglaublich aufregend hier!« »Ja, wirklich! Ein tolles Haus!« – Hätte man das wohl verpaßt als Kind, daß dieses Haus voller Turmzimmer, Drehtüren und geheimer Gänge aufregend ist, wenn die fünf Freunde es einem nicht wieder und wieder vorgesagt hätten?

Für den Erwachsenen jedenfalls ist sie fast schon wieder unterhaltsam, die Reise der fünf Freunde auf den Gipfel der Ein-eindeutigkeit: Steile Untersichten und noch steilere Kostüme für die Bösewichte, Synthie-Trommelwirbel bei steigender Spannung und oben auf dem Hügel im Nebel steht vorsichtshalber auf einem Schild, wo man sich befindet: Smuggler's Top.


Nebelschwaden ziehen durchs Bild, 1970er Jahre Synthesizer-Töne huschen über die Tonspur. In der Ferne schwarze Silhouetten, Lichtkegel blitzen aus der Dunkelheit – hier wird geschmuggelt. Der Drahtzieher – karikaturhaft, der englische Teint, das englische Dress, rothäutig, ein Sherlock Holmes Look-alike. Seine Finsterlingsgeste – das Naserümpfen – wird leicht unteransichtig gezeigt. Als er zum Schluß seine Motivation erklärt, wird er doch noch sympathisch: »Aufregung und Spannung brauche ich mehr als mein täglich Brot.«


Während Tante Fanny noch mit den Augen klimpert, rutscht George schon das Regenrohr herunter und macht sich vom Acker. Sie ist »wilder als ein Junge«, was sich jedoch vor allem in ihrer Mimik darstellt – ein Gesicht aus Buchstaben und Worten: Sichtbare Sprache; Bela Balázs hätte seine Freude gehabt, scheint sie doch hier den Tonfilm überlebt zu haben. In der ersten Folge reiht sich George noch in die Horde »komischer Kauze« ein, doch die englischen Durchschnitts-Kiddies der 1970er Jahre (Julian, Dick und Anne) schließen den kleinen Outlaw schnell in ihr Herz. Und überhaupt, wer Verbrecher jagen will, muß sich zusammenraufen; Einstellungen choreographierter Gruppenfotos bezeugen das. Nur der Feind ruft dann George noch zu: »Benimm dich, kleines Luder!«


Und Timmy, der Hund, dieser verläßlichste aller Freunde, der (natürlich) nie etwas sagt und doch fast aussagekräftiger ist als die anderen vier, nicht Charakterschablone sondern Funktionsträger für die Narration. Timmy, der wie ein deus ex machina immer im genau richtigen Moment aus dem Nichts auftaucht, der rettet, findet, führt – und der die Fünf schon zum ersten Freundschaftsschwur (als wiederkehrendes Folgenabschlußbild um sich herumgruppiert) zusammen bringt. Timmy, der Götterbote also, der jede Nachricht ohne Ab- oder Verfälschung an ihr Ziel bringt, da seine Botschaften nicht so leicht zu dekodieren sind, wie Lichtsignale von Leuchttürmen gegeben oder abgefangen werden. Timmy, der Hund, also ist es, der als magisches Medium jede der Kinderkriminalfilmfolgen auf- und erlöst, der die Spürnasenqualitäten der Kinder in die Tat umsetzt, der handelt statt zu reden oder zu zaudern – und gut und böse so an ihren Platz weist. Timmy, der Hund. 2010-12-17 10:13

Info

Querschritt das sind Rebekka Hufendiek, Elena Meilicke, Sarah Sander, Friederike Horstmann und Julian Bauer.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap