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Die Welt in 10 Millionen Jahren

Wizards. USA 1976. R,B: Ralph Bakshi. K: Ted C. Bemiller. S: Donald W. Ernst. M: Andrew Belling. P: Bakshi Prod.
77 Min. Koch Media ab 27.8.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Booklet, diverse Trailer, Audiokommentar, Featurette (ca. 32 Min.), Bildergalerie mit Originalzeichnungen und seltenem Werbematerial.

Give Peace a Chance

Von Carsten Tritt Das wesentliche Mißverständnis des Films findet sich bereits auf der DVD-Hülle, in Gestalt eines blauen FSK-16-Logos. Natürlich ist Bakshis Film grausam, wir haben es schließlich mit einem Film des Fritz the Cat-Regisseurs zu tun, nicht mit Disney. Es gibt Gewalt, es wird getötet und gemetzelt, und das Böse hat eine eindeutige Vorliebe für Hakenkreuze. Aber dennoch ist Bakshis Film vor allem ein Märchen, dessen Grausamkeit keine andere ist, als die, welche man auch bei den Brüdern Grimm findet, und dessen Phantasie letztlich dennoch eine höchst moralische ist, die schließlich einen todbringenden, technisierten Wahn übersteht. Bakshi gelingt somit eine durchaus ernsthafte Auseinandersetzung mit den Bedrohungsszenarien des 20. Jahrhunderts in Form eines Märchens.

Gleichzeitig spielt Die Welt in 10 Millionen Jahren natürlich in einer Welt der Elfen und Gnome, also in einem dieser obskuren Szenarien, für welches sich zuvorderst diejenigen Leute begeistern, die auch keine Probleme damit haben, neun Stunden lang zuzuschauen, wie in Peter-Jackson-Filmen vor allem irgendwelche Gefährten durch nicht sonderlich interessante Gegenden latschen (und auch Bakshi hat sich ja später sogar selbst mal an einer Tolkien-Verfilmung versucht). Aber auch hier weiß die Inszenierung zu überzeugen, sind im Film die Zeichnungen zwar nicht den Versuchungen des Genrekitsch völlig widerstehend, doch zumindest weitgehend von eigenständiger Originalität, und zudem in spannender Weise kontrastiert durch Einschübe von durch Rotoskopie verfremdetem Eisenstein und Riefenstahl. Darüber hinaus wird alles allzu Pompöse gebremst, zum einen wohl durch die finanziellen Schranken, die das Produktionbudget Bakshi auferlegte, zum zweiten aber durch eine grandiose, zurückhaltende und dezente elektronische Filmmusik von Andrew Belling, und durch eine faszinierend unprätentiöse, freundliche Off-Stimme von Susan Tyrrell, wegen derer es unabdingbar bleibt, den Film in der amerikanischen Originalfassung zu genießen. 2010-11-10 10:25

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