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Cell 211

Celda 211. E/F 2009. R,B: Daniel Monzón. B: Jorge Guerricaechevarría. K: Carles Gusi. S: Cristina Pastor. M: Roque Baños. P: La Fabrique 2, La Fabrique de Films, Morena Films, Telecinco Cinema u.a. D: Luis Tosar, Alberto Ammann, Antonio Resines, Manuel Morón, Carlos Bardem, Luis Zahera, Fernando Soto, Vicente Romero u.a.
109 Min. Senator ab 23.7.10

Sp: Deutsch, Spanisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Making of.

Auf Augenhöhe

Von Dietrich Brüggemann Wenn man eine Weile lang DVDs rezensiert, dann entwickelt man ein grundlegendes Mißtrauen gegenüber DVD-Premieren. Zu oft ist es einfach hoffnungsloser Schrott, für den sich mit gutem Grund kein Verleiher erwärmen konnte und der dann auf DVD zur letzten Ruhe gebettet wird. Um so erfreulicher, wenn dann mal ein Film darunter ist, der auch im Kino funktioniert hätte.

Cell 211, immerhin der große Abräumer bei den diesjährigen Goyas, spielt in einem spanischen Gefängnis. Er wurde stellenweise mit Un Prophète verglichen, was nicht ganz fair ist, denn die philosophische Tiefe von Jacques Audiards Film hat er nicht, aber eigentlich geht es auch um etwas anderes. Un Prophète spielt über einen Zeitraum von sechs Jahren und behandelt die Reifung eines jungen, naiven Kleinkriminellen zum Gangster. Cell 211 spielt in einem Zeitraum von wenigen Tagen und erzählt von einem jungen, naiven Gefängniswärter, der an seinem ersten Tag in einen Häftlingsaufstand gerät und den amoklaufenden Knackis um den Preis seines Lebens vorspielen muß, er wäre einer der ihren. Interessant wird der Film, indem er es nicht bei der äußeren Spannung beläßt, wann die Tarnung auffliegen wird, sondern seinen Helden auch innerlich allmählich auf die Seite der Häftlinge wechseln läßt, bis er am Ende tatsächlich einer der Ihren geworden ist. Juan, der neue Wärter, gespielt von Alberto Ammann, ist zwei Nummern zu hübsch und intellektuell für den Job, den er da angeblich antreten soll, dafür gibt es unter den Häftlingen aber ein Alphatier, das ihm komplett die Schau stiehlt. Luis Tosar spielt Malamadre, den Platzhirsch, mit der ganzen genüßlichen Faszination des charmant-aggressiven Urviechs. Die Handlung braucht ziemlich viele Zufälle und kommt ein wenig schwerfällig daher, die Häftlingskomparserie wirkt in ihren Sachbeschädigungsorgien etwas übermotiviert, doch die Hauptsache macht Regisseur Daniel Monzón richtig, indem er seinen Hauptfiguren auf Augenhöhe begegnet und sich selbst keine leichten Urteile erlaubt. So bleibt man als Zuschauer bei der Stange bis zum überraschend düsteren Ende, das den Film nochmal auf eine andere Stufe hebt. Keine Ahnung, ob das auch im Kino funktioniert hätte, ob das acht spanische Filmpreise wert ist, aber sehenswert ist es allemal. 2010-09-01 12:39

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