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El Superbeasto

The Haunted World of El Superbeasto. USA 2009. R,B: Rob Zombie. B: Tom Papa. S: Bret Marnell. M: Tyler Bates. P: Film Roman Productions, Spectacle Entertainment Group, Starz Media.
75 Min. Sunfilm ab 9.4.10

Sp: Deutsch (dts, DD 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Deleted Scenes, Alternate Scenes, Work-in-Progress Fassung.

Titties statt Pointen

Von Patrick Hilpisch Rob Zombie stellt seiner »animierten Komödie für Erwachsene« eine Warnung voran. Da tritt in alter Zeichentrick schwarzweiß Ästhetik ein gestriegelter Ansager vor den Kinovorhang und fragt, wie es einem denn so gehe. Mr. Zombie sei der Meinung, daß es ein wenig unhöflich sei, den Film ohne ein »Wort der freundlichen Warnung« zu beginnen. Denn die Geschichte von El Superbeasto, so der adrette Herr im Smoking, könne erregen, schockieren oder gar für Entsetzen sorgen. Recht hat er – wenn auch nur mit dem letzten Teil des gutgemeinten Hinweises.

Der Plot des Films ist schnell erzählt. El Superbeasto – das ist ein Superheld mit Old School Wrestlermaske, der nebenbei gerne Pornos produziert, bei denen er Regie führt und in denen er der Star ist. Als der Superschurke Dr. Satan durch die magische Vermählung mit der vulgären Sexbombe Velvet Von Black zu einem unbesiegbaren Supersatan werden will, greift El Superbeasto ein. Unterstützt von seiner knackigen Schwester Suzi X und ihrem notgeilen Roboter Sidekick Murray stellt sich das Superbiest dem angehenden Überlucifer in den Weg. Doch zuvor müssen noch ein paar Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden – u.a. ein durch »Schlauheitsschraube« gepimpter Affe, eine Horde »führerkopfloser« Nazizombies und ein tuntiges Monster.

Was sich jetzt anhört wie eine rasant-frivole Achterbahnfahrt für den geneigten Comicfan ab 16, entwickelt sich schnell zu einer unglaublich infantilen, selbstverliebten und erschreckend unlustigen Zeichentrickfarce. Nahezu jede Grenzüberschreitung in Bezug auf Sex, Gewalt und Sprache wirkt steif, aufgesetzt und ungewohnt deutlich strategisch platziert. Und dies in einem solchen Maße, daß auch die durchaus existente selbstreflexive Brechung kaum noch etwas rausreißen kann. Die Stringenz, mit der Frauen als »Schlampe«, »Hure«, »Flittchen« oder »Zuckerärschchen« bezeichnet werden, Brüste zu »Jumbo-Fleischklöpsen«, »Titties«, »Zwillingen«, »Milchtüten« oder »Boobies« mutieren und alle möglichen Synonyme für männliche und weibliche Reproduktionsorgane durchexerziert werden, kann man etwa als Versuch eines ironischen Kommentars auffassen – muß man aber nicht. Man muß sich nicht daran stören – kann es aber durchaus.

Wer die Kalauer kennt, die Rob Zombie seinen Figuren in Das Haus der 1000 Leichen und The Devil's Rejects in den Mund gelegt hat, kann sich ungefähr ein Bild vom Niveau des Wortwitzes machen, der El Superbeasto bestimmt. Für alle anderen hier eine kleine Kostprobe: »Hey Äffchen, wo ist eigentlich dein Leierkastenmann?« – »Das finde ich äußerst verletzend.« – »Weißt du, was noch verletzend ist? Dein Daumen in meinem Arsch!« – »Mein Daumen ist nicht in Ihrem Arsch!« – »Oh, und warum nicht? Bist du etwa schwul?« Aber Humor ist natürlich Geschmackssache. Und mit genügend Alkohol im Blut wird vielleicht auch der rattenscheißende Onkel Karl zu einem echten Brüller.

Rob Zombie erhebt den »Versatzstücke-Klau« aus allen möglichen Genres und Subgenres zum zentralen Prinzip. Er klatscht das durchaus liebevoll gezeichnete Superbeasto Universum dermaßen mit Zitaten aus der Filmgeschichte zu, daß einem die Tränen kommen. Allerdings nicht vor Freude. Ja klar, Rob Zombie kennt sie alle. Die gefeierten Klassiker, die unverwüstlichen B-Movies und die halbvergessenen Liebhaberstücke des fantastischen Kinos. Aber er schmiert dem Zuschauer seine Anspielungen, Verbeugungen und Reminiszenzen so dick und offensiv kultig aufs Brot, daß einem der Zitate-Ratespaß trotz guter Schmierung des öfteren im Hals steckenbleibt.

Insgesamt vier Jahre wurde an El Superbeasto gearbeitet. Unter anderem, weil Zombie zwischenzeitlich mit dem zweiten Teil seiner Halloween Neuauflage beschäftigt war. Aus einer kleinen Direct-to-Video-Produktion mit einem Budget von 500.000 Dollar wurde ein zehn Millionen Dollar Projekt. Und es steht außer Frage, daß die Macher der schlüpfrig-brutalen »animated extravaganza« (Zombie) ihren Spaß hatten. Das merkt man vor allem an den Theme-Songs, die als strukturierendes Mittel und einsames Highlight des Filmes hervorstechen. Ironischerweise stammen diese Musikstücke mit Textzeilen wie »It's alright to jerk off to cartoons, the Japanese do it every day« nicht aus der Feder von Rob Zombie, sondern vom Comedy Duo Hard'n Phirm.

Am Schluß durchbricht El Superbeasto wie zu Beginn die Vierte Wand. Erneut spricht eine Figur direkt zum Publikum. »Hat Ihnen der Film gefallen?«, fragt der alternde Liftboy aus Dr. Satans Geheimversteck und zählt eben jene Schwachpunkte auf, die den Zuschauer während der knapp 70 Minuten eigentlich so offensichtlich angesprungen haben müßten. Von »banalem Humor« ist da die Rede und von »Titties« statt »einfallsreicher Pointen«. Schlimm genug ist, daß das ironisch gemeint ist. Weitaus schlimmer ist jedoch, daß es einige geben wird, die sich dieses Gericht aus munter wackelnden Jumbo-Fleischklöpsen, splattermäßigem Nazi-Zombie-Gulasch und fadem Siebtklässler-Humor allzu bereitwillig servieren lassen. 2010-06-08 18:08

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