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Geschichte des deutschen Animationsfilms III – Zwischen Staatskunst und Underground.

Gleich links hinterm Mond (G. Rätz, 1959), Sensation des Jahrhunderts (O. Sacher, 1959), Ent- oder Weder (B. J. Böttge, 1964), Rache 1 (K. Georgi, 1966), Ein gemachter Mann oder »Falsche Fuffziger« (K. Weiler, 1978), Einmart (L. Dammbeck, 1981), Sieben Rechte des Zuschauers (P. Missbach, M. Rasche, 1980), Kontraste (S. Hamacher, 1982), Sirenen (K. Georgi, 1983), Die Panne (L. Stützner, K. Georgi, 1988), Das Monument (L. Stützner, K. Georgi, 1989), Action Situation (H. Leiberg, 1983), Strukturen und Film aka Strukturen I (C. Schlegel, 1984), Zeichenfilm II – Fragmente Fragile (A. Dress, 1987)

120 Min Absolut Medien ab 12.6.2009

Sp: Deutsch. Ut: keine. Bf: 1:1.66. Ex: ausführliches Booklet.

Freie Deutsche Jugend, gib auf!

Von Carsten Tritt Genau genommen ist der Titel der DVD etwas irreführend, denn auf ihr finden sich zwar Staatskunst und Underground, aber das Dazwischen fehlt auffällig. Wobei das zusätzliche Problem der im DEFA-Studio für Trickfilm entstandenen Staatskunst ist, daß sie auf unglaublich niedrigem künstlerischem Niveau verbleibt. Technisch am gelungensten ist wohl noch Gleich links hinterm Mond, ein Puppentrickfilm aus dem Jahr 1959, in dem es um Raketen und den Nikolaus geht, und letztlich ziemlich platte Religionskritik verbleibt, wenn Gott schließlich verschwindet, um sich der Aufklärung des Himmels durch moderne Flugkörper zu entziehen: Hier wird also gleich für die Kleinsten aufbereitet, daß der wahre Glaube auf technischen Fortschritt und Sozialismus gerichtet zu sein hat, statt auf irgendwelche höheren Wesen.

Auch die Filme Sensation des Jahrhunderts (1959) und Ein gemachter Mann oder »Falsche Fuffziger« (1978) sind nicht mehr als Propagandafilme, diesmal gegen den Westen gerichtet: In Sensation des Jahrhunderts macht sich Regisseur und Drehbuchautor Otto Sacher über das Weltraumfieber in den USA lustig, indem es seine amerikanischen Protagonisten mit riesigem Protz und Pomp in immergleichen Gags eine Mission zum Mond zelebrieren läßt, nur damit diese dort angekommen feststellen, daß die UdSSR dort schon längst sitzt. Bedauerlicherweise spiegelt sich die Schlichtheit der Botschaft auch in zeichnerischer Armut und mangelndem komödiantischen Timing wieder. Ein gemachter Mann oder »Falsche Fuffziger« spielt hingegen in der BRD und versucht das korrupte kapitalistische System bloßzustellen, wenn ein Kommissar einen Geldfälscherring knackt. Als sein Vorgesetzter den Ruhm dafür nur für sich einstreicht, gründet der Kommissar mit dem bei der Razzia von ihm unterschlagenen Falschgeld eine Bank und amüsiert sich mit Nutten.

Weiter enthalten sind mehrere politische Parabeln, bezeichnender letzter Film ist Das Monument (1989) über ein Denkmal, welches in eine Richtung zeigt. Als sich die politischen Umstände ändern, dreht sich das Denkmal einfach um und zeigt in die andere Richtung – und von ähnlicher Trivialität sind die meisten anderen Filme dann auch.

Die drei freien Produktionen, die allesamt abstrakten Arbeiten Action Situation (1983, Helge Leiberg), Strukturen und Film aka Strukturen I (1984, Christine Schlegel) und Zeichenfilm II - Fragmente Fragile (1987, Andreas Dress) heben sich hingegen von den DEFA-Filmen wohltuend ab, insbesondere die letzten beiden Filme sind ausgesprochen gelungen, auch wenn zum Teil fraglich ist, ob man die Arbeiten wirklich dem Animationsfilm zuordnen sollte. Schlegel arbeitet z.B. mit Realfilm, den sie übermalt, und ändert so durch direkten Eingriff das Bild, und auch Dress abstrahiert das Bild schließlich durch solche Interaktion völlig, wenn seine Farben die Leinwand hinunterfließen.

Obwohl freilich nur die freien Arbeiten künstlerisch beachtlich sind, und die DEFA-Produktionen allenfalls ärgerlich, ist auch diesbezüglich die Zusammenstellung zumindest von historischem Interesse, als auch die schlechten Filme durch die, freilich etwas zu wohlwollende, Einordnung von Ulrich Wegenast im 28seitigen Begleitheft zur DVD in ebendiesem Kontext fachkundig erörtert werden. 2010-05-26 14:25

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