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Unmoralische Engel

Les héroines du mal. F 1979. R,B: Walerian Borowczyk. K: Bernard Daillencourt. M: Philippe d’Aram, Olivier Dassault. P: Films du Jeudi. D: Marina Pierro, Gaelle Legrand, Pascale Christophe, Francois Guétary, Jean-Claude Dreyfus, Jean Martinelli u.a.
114 Min. Al!ve ab 5.3.10

Sp: Deutsch, Französisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1:1.66 anamorph. Ex: Trailer, Bildergalerie.

Emanzipiert und in Weichzeichner-Optik!

Von Carsten Happe Rund ein halbes Jahr, nachdem Walerian Borowczyks Meisterwerk La Bete wieder zugänglich ist und in einer empfehlenswerten DVD-Edition neu veröffentlicht wurde, erscheint nun mit Unmoralische Engel ein weiterer Borowczyk, der 25 Jahre sein Dasein auf dem Index fristete. Aus heutiger Sicht kaum mehr nachvollziehbar, beläßt es der Film sowohl in seinen Sexszenen wie auch mit der Gewalt weitestgehend bei Andeutungen, wenn auch bei reichlich provokanten.

In seinen drei Episoden erzählt er von drei Frauen in unterschiedlichen Epochen; die Verbindungen zwischen den Geschichten sind eher lose und abstrakt, in ihren Themen und Motiven sind zumeist höchstens zwei Episoden unter einen Hut zu bringen, alle gemeinsam versprühen jedoch eine Sinnlichkeit und Freizügigkeit, für die Borowczyks Gesamtwerk ebenso berühmt wie berüchtigt ist.

Aufgenommen in der für jene Zeit und das Genre so typischen Weichzeichner-Optik, die immer wieder eine eigene Traumlogik evoziert, und unterlegt mit den ebenso charakteristischen Synthesizer-Klängen bedient Borowczyk zunächst alle Klischees dieser Filmgattung – um sie dann immer wieder mit feinen Nadelstichen zu konterkarieren. Die Titelheldinnen sind mitnichten das wehrlose Lustobjekt in ihren patriarchalen Gesellschaften, ihre vermeintliche Unterdrückung nur eine Zwischenstation ihrer Rachestrategie.

In der ersten und längsten Episode mit dem Titel »Margherita« spielt die Protagonistin mit ihren Verehrern, dem Maler Raffael und notgeilen Kirchenmännern, geradezu Katz und Maus und behält, auch wenn sie unten liegt, stets die Oberhand. »Marelice«, der Titelheldin des mittleren Teils, wird zunächst gar noch übler mitgespielt, ihr über alles geliebtes Kaninchen landet im Kochtopf und dies löst eine Gewalteruption des so unschuldig dreinblickenden Mädchens aus. »Marie« schließlich wird von einem offensichtlichen Michel Gondry-Fan entführt – so herrlich abstrus ist seine Kidnapping-Methode – und von ihrem treu ergebenen Dobermann letztlich wieder befreit. Die bizarre letzte Episode mit ihrer zur Passivität verdammten Titelfigur fügt sich auf den ersten Blick nur schwerlich ins Gesamtbild, aber auch hier offenbart sich Borowczyks böser Witz und seine Überzeugung: das vermeintlich schwache Geschlecht ist in Wahrheit das starke. 2010-05-11 12:18

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