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Cargo – Der Weltraum ist kalt

Cargo – Da draussen bist du allein. CH 2009. R,B,S: Ivan Engler. R: Ralph Etter. B: Patrik Steinmann, Johnny Hartmann, Arnold Bucher, Thilo Röscheisen. K: Ralph Baetschmann. S: Bastian Ahrens, Timo Fritsche. M: Fredrik Strömberg. P: Atlan- tis Pictures, Centauri Media. D: Anna-Katharina Schwabroh, Martin Rapold, Michael Finger, Claude-Oliver Rudolph, Yang- zom Brauen, Pierre Semmler, Regula Grauwiller u.a.
118 Min. Ascot Elite ab 15.4.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1), Deutsch (DTS 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Behind the Scene- Featurette, Entfallene Szenen, diverse Galerien, Trailer u.a.

Ein Frachtwerk!

Von Werner Busch Wider Erwarten war es nicht der Schweizer Exploitationkönig Erwin C. Dietrich selbst, der den ersten eidgenössischen Science-Fiction-Film gedreht hat; irgendwann in den 1970er Jahren, so richtig mit Pappmaché und blanken Titten. Nein, bis zum Jahr 2009 hat es gedauert, als mit Cargo eines der möglichkeitsreichsten Filmgenres erstmals einen Beitrag aus der Schweiz erhielt. Immerhin erscheint der Film aber bei Ascot Elite, einem von Dietrich gegründeten Unternehmen, als dessen Geschäftsführer er bis zum heutigen Tag fungiert.

Cargo ist ein stilechter, wahrhaft großer Science-Fictioner geworden. Gigantische Raumstationen in düsterem Design, Hyperschlaf, weltbeherrschende Megakonzerne, Verschwörungen und alternative Realitäten. Der Film ist offensichtlich von den besten Vorbildern inspiriert. Das Schöne: Cargo verschleiert diese Tatsache nicht. Trotz deutlicher Anleihen bei allgemein bekannten Vorbildern, schafft es Engler seine Geschichte in einer beinahe eigenen Stimmung zu erzählen. Lobenswert ist das zurückhaltende Tempo, das von bestimmender Wichtigkeit für die gelungene Düsternis des Films ist. Allein die zuweilen sperrigen Dialoge sind ärgerlich. Sie tragen zum einzigen wirklichen Manko dieses Films bei: dem rumpeligen Spiel sämtlicher Darsteller. Dieser leider sehr augenscheinliche Makel verwehrt Cargo die höheren Ehren, die er verdient hätte.

Produktionstechnisch ist der Film ein kleines Wunder. Es ist eine unglaubliche Leistung, was mit einem Nichts an Budget, ca. drei Millionen Euro namentlich, hier auf die Beine gestellt wurde. Insbesondere das Produktionsdesign hat hier absolut Hervorragendes geleistet – künstlerisch und handwerklich. Die Spezialeffekte sind insbesondere in den Compositings aus Live-Action und CGI auf hohem Standard, einige kleinere Aussetzer können den positiven Gesamteindruck nicht trüben. Etwas wehmütig stimmt es deshalb, daß Cargo keine Kinoauswertung außerhalb der Schweiz vergönnt war und der Film lediglich als DVD bzw. Blu-ray seine Premiere hierzulande feiern darf. Die schön gestaltete Doppel-DVD wartet mit vielen verschiedenartigen Extras auf; allein den Audiokommentar des Regisseurs vermißt man schmerzlich. Gerne hätte man von ihm mehr darüber erfahren, wie man unmögliche filmische Träume beinahe aus sich selbst heraus umsetzt. Denn in Cargo steckt trotz seiner Unzulänglichkeiten spürbar sehr viel Herzblut und Engagement, Unmögliches möglich zu machen. Was einem Großteil der europäischen Filmemacher dieser Tage fehlt, das hat Engler mit Cargo bewiesen: Den blinden Enthusiasmus und Wagemut, ein großes Projekt trotz ungünstigster Bedingungen in die Welt zu tragen. 2010-05-06 10:29

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #58.

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