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Hitler – Die letzten zehn Tage

Hitler: The Last Ten Days. GB/I 1973. R,B: Ennio De Concini. B:  Maria Pia Fusco, Gerhardt Boldt, Wolfgang Reinhardt. K: Ennio Guarnieri. S: Kevin Connor. M: Mischa Spoliansky. D:  Alec Guinness, Simon Ward, Gabriele Ferzetti, Adolfo Celi, John Bennett, Joss Ackland, Diane Cilento u.a.
100 Min. Schroeder-Media ab 12.11.09

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph.

Der Tiefgang

Von Gerd Naumann In kaum einem anderen Film zeigte der britische Charakterdarsteller Alec Guinness eine intensivere schauspielerische Leistung als in Hitler – Die letzten zehn Tage. Dabei ist Ennio de Concinis 1973 entstandener Film aus verschiedenen Gründen ein atemberaubendes Werk. Nahezu sämtliche Spielszenen drehen sich um das Geschehen im Führerbunker, die letzten Tage Adolf Hitlers. Diese werden immer mehr zu einem klaustrophobischen Kammerspiel, das zwischen zwangsweise verordneter Euphorie und Depression schwankt. Das Gros der Geschehnisse ist historisch verbürgt, denn der Film basiert auf den Erinnerungen des Rittmeisters Gerhard Boldt, der im Führerbunker Quartier bezogen hatte.

Im Gegensatz zu Oliver Hirschbiegels sensationslüsterner Endzeitoperette Der Untergang bleiben die Charaktere hier immer plastisch und in ihren Handlungen nachvollziehbar. So liefern, neben Alec Guinness, auch Doris Kunstmann als Eva Braun oder Adolfo Celi als General Krebs eindrucksvolle schauspielerische Darstellungen. Dabei legt Guinness seine Rolle nicht eindimensional an, sondern offenbart mit zunehmender Spielzeit die ambivalenten Charakterzüge seiner Figur. Guinness´ Hitler ist ein größenwahnsinniger, von schizophrenen Anwandlungen geplagter Geist. In einer bösartigen Schlußpointe, einem erdachten Gespräch zwischen Eva Braun und Hitler, agiert er als vergeltungssüchtiger Despot. Für Guinness hatte der Film stellenweise schwarzen Humor, was sich, gerade im Vergleich zum kommerziellen Der Untergang, nur noch ansatzweise nachvollziehen läßt. Wie nah Ennio de Concinis Film an der historischen Wirklichkeit war, das ließ sich damals nur erahnen.

In Deutschland war der Film seit seiner Premiere 1973 nie wieder zu sehen. Daher ist die nun erschienene DVD von Hitler – Die letzten zehn Tage ein wirklicher Höhepunkt für Filmliebhaber. Zu bemängeln ist lediglich die neu angefertigte Synchronfassung, die den vielschichtigen darstellerischen Leistungen nicht gerecht wird. Das ist umso ärgerlicher, als es eine exzellente Originalsynchronisation gibt. Der Ton, zu dem sich optional deutsche Untertitel zuschalten lassen, liegt in deutscher und englischer Sprache vor. 2010-02-11 13:49

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