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Flashbacks of a Fool

GB 2008. R,B: Baillie Walsh. K: John Mathieson. S: Struan Clay. M: Richard Hartley. P: Left Turn Films, Sherazade Film Development, Ugly Duckling Films. D: Daniel Craig, Harry Eden, Olivia Williams, Jodhi May, Helen McCrory, Miriam Karlin, Eve u.a.
100 Min. HMH ab 4.12.08

Sp: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Keine. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Making Of, Deleted Scenes, Trailer, Bildergallerie.

Schnöselläuterung

Von Carsten Happe Einen »Fool on the Hill« erlebt man kaum in diesen ersten Minuten des Films, vielmehr das Klischeebild des degenerierten Hollywoodschnösels, der in seiner Designervilla auf den Hügeln vorm Pazifik seine Haushälterin drangsaliert, wenn er nicht gerade seine Dealerin empfängt oder mit Nutten das Koks durch die Nasenscheidewände jagt. Joe Scot ist so weit oben angekommen, daß er selbst seiner Karriere entrückt scheint – sprich: kurz vor dem Fall, den die Biographien etwa von Tom Cruise oder Michael Jackson erst richtig interessant gemacht haben. Bevor er allerdings zur Karikatur seiner selbst mutieren kann, zwingt ihn ein Widerhall seiner Vergangenheit zur dringend benötigten Bodenhaftung: der Tod seines besten Jugendfreundes Boots, daheim im englischen Seebad seiner Kindheit.

Ab diesem Moment löst der Film seinen Titel ein, wenngleich es sich lediglich um eine einzige, ausgedehnte Rückblende handelt, taucht hinab in die Jugend Joe Scots, angefangen mit dem Punkt, der die geordnete Idylle an der Atlantikküste ins Wanken bringt, bis hin zu der Katastrophe, die Joe Scot alle Zelte abbrechen läßt und ihn mutmaßlich in die weite Welt hinaustreibt. Bedächtig und etwas ziellos skizziert der Flashback den vaterlosen Familienalltag der Scots, die unbeholfenen Avancen der unbefriedigten Nachbarin, die Annäherungsversuche an die Schulschönheit und auch – etwas nachgeordnet – die Freundschaft zu Boots, die letztlich an einem Mädchen zerbricht. In den euphorischen Augenblicken dieser Siebziger-Jahre-Jugend findet der Film zu seinen stärksten Momenten, etwa wenn sich Joe und seine Angebetete in einen Roxy-Music-Rausch steigern und der Junge sich allergrößte Hoffnungen macht, das Mädchen zu erobern. Aber Joes Glück ist ebenso zerbrechlich wie der allzu stark psychologisierende Plot, der letztlich über weite Strecken nur Altbekanntes wiederkäut. In geleckt schönen Bildern nimmt das Drama einer Vergangenheitsbewältigung seinen Lauf, das zwar nie wirklich langweilt – auch dank der durchweg guten Darsteller – jedoch mit keiner originären Idee zu fesseln vermag. Als DVD-Premiere ist der starbesetzte Flashbacks of a Fool also am rechten Platz. 2009-03-09 15:32

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