— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Color of Magic

The Colour of Magic. GB 2008. R,B: Vadim Jean. K: Gavin Finney. S: Joe McNally, Liz Webber. M: David A. Hughes, Paul E. Francis. P: RHI Entertainment, The Mob Film Company. D: David Jason, Sean Astin, Tim Curry, Jeremy Irons, David Bradley, James Cosmo, Nigel Planer, Laura Haddock u.a.
189 Min. EuroVideo ab 9.10.08

Sp: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Trailer.

Aus dem Farbkästchen plaudern

Von Nils Bothmann Terry Pratchetts Fiktionen, die phantastische Stoffe, satirischen Gehalt und Gegenwartsbezüge vermischen, besitzen nicht nur Kultstatus, seine Neuveröffentlichungen landen auch regelmäßig auf diversen Bestsellerlisten. Pratchetts sicher größter Erfolg ist die Schaffung des Scheibenwelt-Universums, in dem die meisten seiner Bücher angesiedelt sind. Die Franchise fand ihre Erweiterung bereits in Comics, PC-Spielen und Merchandising-Artikeln, doch bis zu einer Verfilmung hat es lange gedauert. Die ersten Versuche, Soul Music und Wyrd Sisters, waren Zeichentrickfilme, die schnell in der Versenkung verschwanden. Erst 2007 wurde mit Hogfather – Schaurige Weihnachten eine Adaption des Romans »Schweinsgalopp« als TV-Zweiteiler und erste Realverfilmung gedreht. Vom selben Team kommt nun mit The Color of Magic ein weiterer Fernsehfilm nach demselben Muster, basierend auf den frühen Scheibenweltromanen »Die Farben der Magie« und »Das Licht der Phantasie«.

The Color of Magic illustriert sehr gut, warum man trotz des enormen Erfolges und des nach Herr der Ringe einsetzenden Fantasy-Booms solange auf Realverfilmungen der Scheibenweltgeschichten verzichtete: Pratchetts Bücher sind schwer filmisch umzusetzen, da der Humor nur in kleinem Maße über Dialoge und Charaktere, weitaus mehr aber über die Erzählstimme funktioniert. Von daher ist ein Off-Erzähler auch in The Color of Magic integriert (im Original klangvoll gesprochen von Brian Cox), dessen Kommentare vielen Situationen erst ihre sarkastische Würze geben. Natürlich macht die Menge an Off-Text nur einen Bruchteil dessen aus, was die Vorlagen normalerweise an Kommentaren enthalten, aber alles andere wäre auch schlicht und ergreifend unfilmisch.

Die Macher von The Color of Magic haben dies klar erkannt und orientieren sich locker an den Vorlagen, bauen vor allem die Momente aus, in denen die Witze vorwiegend über die Situation und weniger über deren Schilderung durch den Erzähler funktionieren. Die Gespräche zwischen dem Tod und dem stets knapp dem Sterben entrinnenden Magier Rincewind gehören daher zu den ergiebigsten Szenen des Films, ebenso die Momente, in denen Zweiblum, der erste Tourist der Scheibenwelt, sich mit seiner naiven Art fast um Kopf um Kragen bringt, z.B. wenn er in einer zwielichtigen Spelunke sorgenlos mit Unmengen von Gold herumhantiert. Hinzu kommen eigene für den Film erfundene Szenen: Die Figur des gealterten Barbarenhelden Cohen stammt zwar aus den Romanen selbst, hier wird aber an einer Stelle sogar explizit jene Szene aus Conan – Der Barbar verballhornt, in denen der Held darüber Auskunft gibt, was seiner Ansicht nach das Beste im Leben sei.

Auch bei der Besetzung kann man The Color of Magic ein recht gutes Händchen nicht absprechen. Rincewind-Darsteller David Jason ist älter als im Buch beschrieben, paßt aber trotzdem in die Rolle des trotteligen Langzeitmagiestudenten, Sean Astin hat sichtliche Freude an dem Part des Zweiblum, und Jeremy Irons erweist sich als perfekte Besetzung für den stets gefaßten Patrizier. Für die Fieslingsrolle konnte man Tim Curry gewinnen, und der nimmermüde Christopher Lee leiht dem Tod seine Stimme.

Doch trotz der durchaus sorgfältigen Arbeit ist The Color of Magic keine komplett gelungene Verfilmung der Pratchett-Phantastereien geworden, was nicht nur daran liegt, daß die beiden Vorlagen etwas schwächer als darauffolgende Scheibenweltromane sind. Zum einen merkt man The Color of Magic die TV-Herkunft immer wieder im Bild an, gerade bei den durchwachsenen Spezialeffekten, die sich aber immerhin Mühe geben, die eigenwilligen Gedankenfiguren Pratchetts adäquat ins Bild zu setzen. Gleichzeitig läßt The Color of Magic in der zweiten Hälfte (bzw. im zweiten Ausstrahlungsteil) merklich nach, vernachlässigt den sarkastischen Witz der ersten Hälfte zugunsten einer effektreichen Gut-gegen-Böse-Story – doch gerade der feine Humor ist wesentlich reizvoller als der eigentliche Inhalt der Geschichte.

The Color of Magic ist von daher ein netter Film, vorwiegend für die Fans der Vorlagen geeignet und eine solide Umsetzung eines schwer verfilmbaren Stoffes, die im Fernsehen bzw. auf DVD ganz gut aufgehoben ist – von einer perfekten Umsetzung Pratchetts ist er aber noch ein klares Stück entfernt. Auf DVD präsentiert sich The Color of Magic in guter Qualität, läßt dem Zuschauer die Wahl zwischen Originalton und deutscher Synchro, bietet an Extras allerdings lediglich Trailer zu The Color of Magic sowie Vorschauen auf Soul Music und Wyrd Sisters, die Eurovideo Ende 2008 auf DVD herausbringen will. 2008-11-04 09:57

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap