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Volchok

RUS 2009. R,B: Vasili Sigarev. K: Aleksei Arsentyev. S: Dasha Danilova. D: Andrei Dymshakov, Veronika Lysakova, Polina Pluchek, Yana Troyanova.
88 Min.

Fabelhaft

Von Cornelis Hähnel Auf der Flucht vor der Polizei kommt ein Kind zur Welt. Fünf Jahre später wird die Mutter aus dem Gefängnis entlassen und sie sieht zum ersten Mal ihre Tochter. Das Mädchen kämpft unerbittlich um die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Mutter, trotz deren Alkoholproblem, Männergeschichten, Gewalt und Desinteresse. Es ist eine grausame Geschichte, die Vassily Sigarev in seinem Spielfilmdebüt, basierend auf seinem gleichnamigen Theaterstück, erzählt. Eine Geschichte von Vernachlässigung. Dem Kampf des Mädchens beizuwohnen ist für den Zuschauer von unglaublicher Härte. Daß man dennoch gefesselt, ja fasziniert ist, liegt an der Diskrepanz von Inhalt und Form. Der narrativen Tragik stellt Sigarev eine Erzählweise und Ästhetik von bedingungsloser Schönheit gegenüber. Daraus resultiert eine ins Groteske gesteigerte Dramatik, die jenseits jeglicher Sozialpornographie eine seltsame Authentizität vermittelt. Volchok ist ein modernes Schauermärchen, das die Haltlosigkeit einer Gesellschaft und ihren Werteverlust durch visuelle Überhöhung gnadenlos realistisch zurück auf den Boden der Tatsachen holt. Und damit mehr erreicht als so manches schmuddelige Betroffenheitskino. 2010-10-25 17:05

Info

gesehen auf dem Crossing Europe Filmfestival Linz 2010

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.
© 2012, Schnitt Online

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