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Hans im Glück

D 2009. R,B: Claudia Lehmann. K: Lilli Thalgott. K,S: Eike Zuleeg. P: Elektrofilm Postproduction Facilities.
65 Min.

Im Gehen reden

Von Thomas Warnecke Gute Filme beginnen z.B. mit einem Überfall. Wenn dieser nur erzählt wird, ist es ein Dokumentarfilm. Ansonsten ist Hans im Glück eigentlich nicht sehr verschieden von Zur Sache, Schätzchen etwa. Beiden Protagonisten ist klar: »Es wird böse enden«, und richtig schlimm scheinen’s beide nicht zu finden. In der DDR wie im wiedervereinigten Deutschland hat Hans Narva oder Tomato oder Torsten Müller-Fornah im Knast gesessen. Entschädigung für die Jahre im Knast (Ost) will er keine: »Wieso soll der Westen dafür aufkommen, was im Osten passiert ist«. Überraschende und schöne Sätze sagt er haufenweise, immer gehend, weil er beim Gehen besser reden kann. Und beim Autofahren besser komponieren – ein unschlagbares Argument gegenüber dem Gericht, ihm seinen Führerschein wiederzugeben, findet er. Der ist nämlich weg, sein Fahrstil hat Hans schon Haft eingetragen. Auch das eine Geschichte der Wiedervereinigung: Im Osten saß der Punk, weil er Punk war, im Westen bzw. Wiedervereinigten, weil er wie ein solcher Auto fuhr. Hauptsächlich im Gehen, unabhängig und ohne Gelder ist auch Claudia Lehmanns Film entstanden, und ihr und Hans und vor allem Deutschland (jawohl!) ist zu wünschen, daß Hans im Glück von richtig vielen Leuten gesehen wird. 2010-01-19 11:16

Info

gesehen auf der 33. Duisburger Filmwoche

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #57.
© 2012, Schnitt Online

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