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Tatarak

PL 2009. R,B: Andrzej Wajda. K: Pawel Edelman. S: Milenia Fiedler. M: Pawel Mykietyn. P: Akson Studio. D: Krystyna Janda, Pawel Szajda, Jan Englert, Jadwiga Jankowska-Cieslak, Julia Pietrucha u.a.
85 Min.

Trauerarbeit

Von Oliver Baumgarten Altmeister Andrzej Wajda hat mit Tatarak wieder einmal ein eigenwilliges und kraftvolles Stück Kino geschaffen, wie es von seinen jüngeren europäischen Kollegen zur Zeit nur sehr wenigen gelingt. In einer formalen Strenge, die wohl nur ein derart erfahrener Filmemacher so konsequent zu erschaffen vermag, erzählt Wajda vom Tod, vom Verlust geliebter Menschen, von der Trauer angesichts unveränderlichen Schicksals. Drei unterschiedlich gestaltete Ebenen schildern drei unterschiedliche Perspektiven sowohl auf den Tod als auch auf die eigentliche Narration: Da ist der Meister selbst, der sich bei der Arbeit am Drehbuch inszeniert, da ist seine Schauspielerin Krystyna Janda, die den realen Tod ihres kürzlich verstorbenen tatsächlichen Ehemannes in langen, statischen und düsteren Einstellungen monologisch betrauert. Und da ist ihre Filmfigur Marta, die erleben muß, wie ihr jüngerer Geliebter qualvoll im See ertrinkt – fotographiert in buchstäblich den Atem raubenden Bildern des Kameramannes Pawe? Edelman. Tatarak ist emotionales Kino, verpackt in sachlich konstruiertem Konzept, eine Kopfgeburt in fesselnden Bildern, ein Wajda-Film als reduziertes Destillat: nicht leicht, aber wunderschön und von eindrücklicher Konsequenz. 2009-03-30 11:59

Info

gesehen auf der Berlinale 2009

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.
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