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Hairlady

USA 2006. R,B,S: David Birdsell. K: Byron Shah. M: Jason Moss. D: Miriam Escovitz, Oleg Skrashevskiy.
8 Min.

Schnittakrobatik

Von Oliver Baumgarten Dem Kanadier David Birdsell gelingt mit seinem Kurzfilm Hairlady ein optisch faszinierendes, mitreißend dynamisches Stück Schnittakrobatik. In perfekter Einheit zur effektvoll eingesetzten Musik konzipiert er das zwangsläufige männliche Bedürfnis nach Rasur als filmischen Loop. Dieses regelmäßige Bedürfnis ist symbolisiert durch eine alte Frau, die »Hairlady«, die den Mann zum Scheren begleitet – wieder und immer wieder. Der erste Durchlauf des Loops (ein Mann verläßt sein Haus, geht die Straße entlang, in ein anderes Haus, über den Flur bis zur Wohnung der alten Dame und dann gemeinsam zum Barbier) ist bereits eine atemraubende Mischung aus Echtzeitaufnahmen und am Schneidetisch gebauter Stop-Motion-Optik, die dadurch erzeugt wird, daß die für eine natürliche Bewegung nötigen 24 Bilder pro Sekunde aus jeweils einem nächsten Schritt montiert werden. Will heißen: Der Mann bewegt sich absolut organisch innerhalb einer Einstellung mal durch eine »normale«, mal durch eine Fast-Forward-Welt – ein toller Effekt, den Birdsell dadurch steigert, daß er die Montage-Ellipse der Erzählung kontinuierlich bei jedem Durchlauf weiter verkürzt, bis der Loop bald nur noch aus fünf knappen Bildern besteht. Ein formales Geniestück! 1970-01-01 01:00

Info

gesehen auf dem Internationalen Kurzfilmfestival Hamburg

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #47.
© 2012, Schnitt Online

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