— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Wild Blue Yonder

D/GB/F 2005. R,B: Werner Herzog. K: Henry Kaiser, Tanja Koop, Klaus Scheurich. S: Joe Bini. M: Ernst Reijseger. P: Werner Herzog Filmproduktion, West Park, Tetra Media. D: Brad Dourif.
81 Min. B.Film ab 1.11.07

Haarschnitt mit Herzog

Von Daniel Bickermann »Wir Aliens sind scheiße!«, schimpft der Fremde. Er steht vor einem verfallenen Wüstenkaff, einem gescheiterten Siedlungsversuch seiner außerirdischen Freunde, wie er erzählt. Sie waren einfach zu doof.

Brad Dourif, der zum Film ging, damit er sich nicht so oft die Haare schneiden lassen mußte, bestreitet ein Drittel des Films im Monolog mit der Kamera; und Werner Herzog, das wahnsinnige Genie auf der Suche nach Gleichgesinnten, montiert dazu Dokumentarbilder von Raumflügen und Tauchexpeditionen unter dem Polarmeer: Sie bebildern einen cholerischen Fiebertraum, entsprungen einem verrückten Hobo – oder eine kosmische Legende, erzählt mit der zittrigen Stimme des heiligen Narren. Und irgendwie, gegen jede -konventionelle Filmlogik, wird daraus ein atemberaubendes Requiem auf den Planeten, eine visionäre Found-Footage-Science-(Non)Fiction-Collage, verschweißt und veredelt durch Ernst Reijsigers begnadete, elegische -Moll-Melodien, die multikulturell zwischen Philip Glass’ Streicherstakkati und afrikanischen Gebetschorälen oszillieren. Zu viele Herzog-Filme der letzten Jahre fanden den Weg in die deutschen Kinos nicht. Dieser ist ohne große Leinwand undenkbar und sollte nicht verpaßt werden. 2007-10-08 00:00

Info

gesehen auf dem Festival »über morgen«

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap