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Valerie

D 2006. R: Birgit Möller. B: Milena Baisch, Ilja Haller. K: Kolja Raschke. S: Piet Schmelz. M: Christian Conrad. P: Credofilm. D: Agata Buzek, Devid Striesow, Birol Ünel, Gutbert Warns u.a.
85 Min. Zauberland ab 26.4.07

Große Erwartungen

Von Nikolaj Nikitin Valerie ist verloren. Sie ist im Grunde obdachlos und will dies vor allem sich, aber auch ihrer Umwelt nicht eingestehen. Valerie, auch wenn ihr Name im Lateinischen »die Starke«, »die Gesunde« bedeutet, ist alles andere als das. Woher nimmt Valerie-Darstellerin Agata Buzek (die aus Polen kommt, wo die Variation ihres Rollennamens Valeska nur vom Adel getragen werden durfte) die Inspiration für ihre überzeugende schauspielerische Leistung? Eventuell aus der Tatsache, daß sie selber in Paris modelte und zu genau um die Scheinwelt der Modebranche weiß; wahrscheinlich aus dem Umstand, daß sie als Tochter des ehemaligen polnischen Premierministers Jerzy Buzek viel erlebt hat; mit Sicherheit dank der konzeptionell durchgehaltenen Regie von Birgit Möller; mit Gewißheit aber auch dank der Besetzung der beiden großen männlichen Rollen, an denen sie sich im Verlauf des Films »abspielt«: Devid Striesow und Birol Ünel. Zwei auf den ersten Blick unterschiedlichere Typen und Darsteller lassen sich in Deutschland kaum finden. Doch beider Talent und energetische Leinwandpräsenz machen sie zu idealen Partnern für Buzek und sind als diametrale Figuren angelegt. Striesow spielt den schüchternen Wachmann André, der behauptet, ein Problem mit dem Einschlafen zu haben, in Wirklichkeit aber trockener Alkoholiker ist, der Frau und Kind verloren hat. Ünel stellt Valeries Ex dar, einen exzentrischen Fotographen, der ihr für einen Moment das Bild einer gemeinsamen Zukunft malt, bevor seine Aktuelle reinkommt und Valerie das Feld räumen muß. Zum Schluß des Films wird André zum rettenden Engel für Valerie. Der Bedeutung seines Namens gleich gibt er sich tapfer und steht für Valerie ein.

Der Schluß macht das Werk stimmig und einprägsam, denn im Vergleich zu vielen deutschen Hochschulfilmen endet Valerie klar und präzise, ohne daß er sich in mehreren Enden verfängt und vor allem ohne süßlich zu wirken oder didaktisch zu sein. Valerie macht neugierig und gespannt auf weitere Arbeiten – insofern sollte Birgit Möller vielleicht als zweiten Film einen über die Protagonistin »Nadja« drehen, die »Hoffnungsvolle«, denn sie stellt ohne Frage eine Hoffnung für den deutschen Film dar. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
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