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In the Mood for Love

In the Mood for Love. HK 2000. R,B: Wong Kar-wai. K: Christopher Doyle, Li Ping-bing. S,P: William Chang. M: Mike Galasso. D: Maggie Cheung, Tony Leung, Chiu Wai, Lai Chen, Rebecca Pan, Paulyn Sun u.a.
97 Min. Prokino ab 30.11.00

Definition von Filmkunst

Von Oliver Baumgarten In the Mood for Love – das ist Zelebrierung der kinematographischen Grundregeln, die Reduktion auf das Wesentliche visueller Erzählkunst. Kaum eine Einstellung geschieht grundlos, die Bilder erzählen die Geschichte, kommentieren sie, spiegeln Emotionen der Figuren. Für In the Mood for Love findet Wong Kar-wai die perfekte Einheit von Bild und Erzählung. Es ist so bestechend simpel und dabei effektiv wie selten gesehen. Maggie Cheung in Eile und Aufregung. Dafür genügen Wong Kar-wai eine Handvoll perfekt getimter Schnitte – kein dramatischer Musikeinsatz, keine Wischtechnik. Einfach simpel. Leung und Cheung, die ihre Einsamkeit durch Essen kompensieren, leben ihre Gefühle in einem Rollenspiel aus. In manchen Momenten bleibt die Kamera beharrlich auf einem der beiden Gesichter ruhen, verweigert sich dem Gegenschuß, als ob es vielleicht doch gelänge, das Wahrhaftige in diesem Gesicht zu finden, eine Andeutung auf das Gefühl dem anderen gegenüber. Doch nur das Rollenspiel erlaubt ihnen ihre wahren Empfindungen – in der Figur eines anderen. Das ist pure Definition von Kino. Nach kurzen Versuchen gibt es die Kamera auf. So bedeckt, wie sie sich beide gegenüber verhalten, so gibt auch die Kamera den Blick nicht mehr auf sie frei. In ihre sanften Bewegungen schieben sich stets kleine Hindernisse, die den Kader leicht touchieren, die eine Distanz schaffen, aber dem Bild auch eine faszinierende Tiefe verleihen. Oft sind es Details, auf denen der Blick verweilt, an denen die Kamera entlang streicht und die stellvertretend erzählerisches Moment sein dürfen. Die Schuhe von Maggie Cheung etwa, das drückende Korsett der Pumps – so simpel, so effektiv, so unaufdringlich, weil selbstverständlich. Das ist pure Definition von Filmkunst. 1970-01-01 01:00

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Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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