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In the Mood for Love

In the Mood for Love. HK 2000. R,B: Wong Kar-wai. K: Christopher Doyle, Li Ping-bing. S,P: William Chang. M: Mike Galasso. D: Maggie Cheung, Tony Leung, Chiu Wai, Lai Chen, Rebecca Pan, Paulyn Sun u.a.
97 Min. Prokino ab 30.11.00

Liebe in Zeitlupe

Von Lisa Schneider Es gibt Liebesfilme, die eine Geschichte der Befreiung erzählen. Dann geht es um Menschen, die nur deshalb zueinander finden, weil sie ein System sprengen, das ihnen zum Gefängnis wird. So etwas kann tragisch enden. Es gibt aber auch Liebesgeschichten von Menschen, die den Fluchtversuch aus ihrem Gefängnis nicht wagen wollen. So etwas muß tragisch enden.

Und es betrifft die Menschen in Wong Kar-wais wunderbarer Bildergeschichte In the Mood for Love. Beide erleben Einsamkeit und Treulosigkeit in ihren Partnerschaften und finden durch einen gemeinsamen Schmerz zueinander. Dabei kann ihre Beziehung nur in einem engen Korsett gesellschaftlich-moralischer Konventionen entstehen. Sie muß sich innerhalb dieser Grenzen langsamer entwickeln, folgt bald eigenen Regeln und findet schließlich zu einer eigenen Sprache. Zum Beispiel durch ein bizarres Rollenspiel, in dem sich die Betrogenen gegenseitig den treulosen Ehepartner ersetzen, aber ohne sich des wirklichen Ehebruchs schuldig zu machen.

Wong Kar-wai findet für dieses ungewöhnliche Miteinander den entsprechenden ästhetischen Rahmen. Als tragend für die Handlung erweisen sich hier die scheuen Blicke und kleinen Gesten, nicht aber große Worte und Taten. Und wenn die Kamera ein Bild einfriert, möchte man meinen, daß der Regisseur dem Erzählen eine Absage erteilen will: Die Kamera ist Spiegel eines unveränderbaren Status quo. Überhaupt entspricht das Erzähltempo der Zaghaftigkeit, mit der die beiden Menschen aufeinander zugehen, um schließlich ein Gefühl der Liebe füreinander aufbringen zu können. Die Zeitlupe, in der sie sich treffen und wieder voneinander entfernen, wird so zur Metapher für das selbstauferlegte Verbot zu handeln: Veränderungen sind rein emotionaler Natur. Und deshalb läßt Wong Kar-wai nicht die Menschen sondern seine betörenden Bilder sprechen. 1970-01-01 01:00

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Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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