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UmdeinLeben

D 2008. R,B: Gesine Danckwart. K: Kristian Leschner. S: Chris Wright. M: Vicki Schmatolla. P: hansen.film. D: Kathrin Angerer, Maren Kroymann, Caroline Peters, Anne Ratte-Polle, Esther Röhrborn, Bettina Stucky, Thomas Schakowski.
90 Min. It Works! ab 16.7.09

Theatralische Leerstellen

Von Constanze Frowein Gehetzt ist die Sprache der sechs Frauen in UmdeinLeben, die ihrer alltäglichen Depression mit inhaltlich leeren Sätzen in Endlosschleifen zu entkommen suchen und dadurch immer weiter im Großstadtnichts zu versinken drohen. Regisseurin Gesine Danckwart hat sich bisher als Theaterregisseurin einen Namen gemacht. Ihr Metier macht sich im Spielfilmdebüt UmdeinLeben sowohl in der künstlichen Sprache als auch in dem mimisch ausholenden, aber handlungsarmen Spiel der sechs Darstellerinnen deutlich bemerkbar. Da ist Kathi Angerer in der Rolle der Barfrau Diamant Oil, die tagtäglich ihr Sein am Tresen mit den piepsigen Monologen vom »Schönerwohnenleben« fristet, oder Caroline Peters, deren Figur ihre Einsamkeit im angeblich unausweichlichen Streß inhaltsfreier Handytelefonate zu ersticken versucht.

Zwar birgt das existentielle Thema des sinnfreien Wettlaufs zwischen Arbeitslosigkeit und Workaholismus durchaus Potential für eine filmische Auseinandersetzung, doch verharren die Monologe so lange unerträglich an den Nerven nagenden Worthülsen, daß sie zum Aussteigen aus der Geschichte beinahe zwingen. Die einzelnen Lebensräume der sechs Großstädterinnen zeigen eine Entwicklung erst dann, als der Zuschauer die unerträglich stagnierende Handlung beinahe entnervt verlassen hat – wäre da nicht Maren Kroymann, die mit ihrer Geschichte als verarmte Grande Dame ständig Haltung zu wahren versucht, obwohl ihr einstig berufliches System sie schon lange aufgegeben hat. Ihr beharrlich aufgesetzter Optimismus kippt in selbstbewußte Verachtung der von ihr angestrebten Gesellschaft: Vor dem Place-to-be einer angeblich gewichtigen Veranstaltung baut sie sich mutig und breitbeinig mit einem Megaphon auf und nennt die Armseligkeit sinnentleerter »Networking«-Veranstaltungen beim Namen. Was Gesine Danckwart wohl meint, wenn sie mit UmdeinLeben den »permativsten Film aller Zeiten« verspricht? 2009-07-14 15:00
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