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My Bloody Valentine

USA 2008. R,S: Patrick Lussier. B: Todd Farmer, Zane Smith. K: Brian Pearson. S: Cynthia Ludwig. M: Michael Wandmacher. P: Lionsgate. D: Jensen Ackles, Jaime King, Kerr Smith, Kevin Tighe, Edi Gathegi, Tom Atkins, Marc Macaulay, Betsy Rue u.a.
101 Min. Kinowelt ab 21.5.09

Herzzerreißende Geschichten

Von Nils Bothmann In den 1950er Jahren wartete das Horrorkino mit einer ersten Welle von 3D-Filmen auf bzw. 3D-Fassungen bestehender Filme, unter anderen Jack Arnolds Der Schrecken vom Amazonas. Weitere Techniken, um das Filmerlebnis in dieser Epoche intensiver zu machen, waren plötzlich von der Decke abgeseilte Plastikskelette oder Smell-O-Vision, bei der man durch das Zuführen von Düften während bestimmter Szenen mehr Flair erzeugen wollte. All diese Jahrmarkttricks verschwanden nach und nach aus dem Kino, im Horrorfilm der 1980er erlebte zumindest das 3D-Erlebnis ein Revival: Filme wie Der weiße Hai 3 oder Und wieder ist Freitag, der 13te konnten mittels Rot-Grün-Brillen in plastischer 3D-Variante genossen werden.

Aus ebenjener Epoche entstammt auch My Bloody Valentine, hierzulande Blutiger Valentinstag genannt. Das Original von 1981 war freilich nicht in 3D zu genießen, das Remake hingegen schon, als erster Horrorfilm im Zuge eines neuen 3D-Booms, der sonst eher familienfreundliche Animationsfilme wie Bolt, Monsters vs. Aliens oder Ice Age 3 ins Kino bringt. In dieser Situation kann man dem Remake schon einen gewissen Pionierstatus zuschreiben, wobei seine Akzente denen von Filmen wie Und wieder ist Freitag, der 13te ähneln: In Richtung Zuschauer gehauene Spitzhacken oder aus dem Schädel gedrückte Augen sind jene Momente, in denen besonders auf die 3D-Natur des Films verwiesen wird. Dies wird anno 2009 nicht mehr mit simpler Rot-Grün-Brille erzielt, sondern mit moderner Technik, die allerdings immer noch in Brillenform gepreßt daherkommt – je nach Projektionsart über einen Chip im Gehäuse oder polarisierte Brillengläser. Doch nicht nur die erwähnten Akzentuierungen fallen auf, das Bild hat stets die merkliche Illusion von Raumtiefe – wo 3D draufsteht, ist auch wirklich 3D drin.

Andererseits kann 3D einen schlechten Film nicht retten, zumal die 3D-Varianten momentan nur in entsprechend ausgestatteten Kinos laufen, der Rest der Welt erlebt den Film dann in der Flachversion. Im Falle von My Bloody Valentine kann jedoch eine Entwarnung ausgesprochen werden, denn Wes Cravens früherem Stamm-Editor Patrick Lussier ist ein wirklich schöner Genrefilm gelungen. Ergo muß man kleinere Abstriche im Bereich Figurenzeichnung und Dialoge hinnehmen, ansonsten gibt die kinematographische Schlachtplatte den Horrorfans jedoch, was sie wollen.

Dementsprechend darf man hier mit einer Palette derber Effekte rechnen (in ausgewählten Kinos in 3D), denn die Mär vom durchgeknallten Killer, der zum Valentinstag herausgetrennte Herzen in Pralinenboxen steckt, ist alles andere als zimperlich. Doch im Gegensatz zu manch modernem Folterfilm hat My Bloody Valentine dazu sogar noch eine Geschichte zu erzählen, inklusive Tätersuche und klassischem Whodunnit. Tatsächlich tappen Hauptfiguren und Zuschauer lange im Dunkeln, wer denn nun die Spitzhacke schwingt und die Kleinstadtbevölkerung dezimiert, andererseits gibt My Bloody Valentine genug Hinweise, um ein (erfolgreiches) Mitraten zu garantieren.

Neben Referenzen zum Originalfilm darf sich der geneigte Zuschauer noch über die Nebenrolle von Genreikone Tom Aktins (The Fog – Nebel des Grauens, Night of the Creeps) freuen, ebenso wie über erfreulich gute Darstellerleistungen in den Hauptrollen. Durch den versierten Einsatz von Kamera und Schnitt erzeugt Lussier Spannung und Schockmomente, in der 3D-Variante funktioniert das Ganze sogar noch wesentlich intensiver. Kein Meilenstein, aber trotzdem schönes Genrekino, das mit seiner verspielten 3D-Technik an frühere, herrlich naive Exploitation-Zeiten erinnert. Das nächste Mal will ich dann auch noch Smell-O-Vision. 2009-05-18 11:36

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