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Er steht einfach nicht auf dich

He's Just Not That Into You. USA 2008. R: Ken Kwapis. B: Marc Silverstein. K: John Bailey. S: Cara Silverman. P: Flower Films. D: Scarlett Johansson, Drew Barrymore, Jennifer Aniston, Kris Kristofferson, Kevin Connolly, Ben Affleck, Jennifer Connelly u.a.
129 Min. Warner ab 12.2.09

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er…

Von Arezou Khoschnam Er steht einfach nicht auf dich – glaubt man dem Titel, so nimmt der Film gegenüber der für Hollywood wohlbekannten Dramaturgie eine Art Antihaltung ein. Bekanntermaßen setzt diese sich vor allen Dingen zwanghaft aus einem Happy End sowie gegenseitigen Liebesbekundungen zusammen. Garniert wird die Rezeptur zum Abspann hin dann noch mit einem fröhlichen Popsong, und der Zuschauer wird mit einem bis zum Platzen angefüllten Zuckerhaushalt wieder in seine graue Alltagswelt entlassen, zumeist unfähig, den großen Spalt zwischen diesen beiden Extrempolen zu überwinden.

Da tut so ein direkter, wenn auch zunächst sehr unverfrorener Satz wie im Filmtitel doch richtig gut. Endlich Schluß machen mit solchen Ammenmärchen wie »er meldet sich nicht, weil er auf Dienstreise ist«, »weil seine Oma gestorben ist«, »weil sein Handy-Akku leer ist«, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese inoffizielle Pseudoliste an Argumenten kennt jede Frau. Aber der Film zeigt, daß auch Männer manchmal dazu tendieren, sich Erklärungen zurechtzulegen, anstatt der nackten Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Mann und Frau stützen sich auf angeblich untrügliche Zeichen, die ihnen suggerieren, daß sie/er ganz bestimmt anrufen wird. Alle beide warten sie vergebens. Warum sind wir also nicht in Zukunft einfach ehrlich zu uns selbst? Ein Vorschlag, den man sich – in diesem Fall – durchaus anschauen kann, auch wenn der Film die mit dem Titel eingeschlagene Richtung gegen Ende wieder verläßt.

Der auf Komödien für Film und Fernsehen (The Office, Malcolm mittendrin) spezialisierte Regisseur Ken Kwapis hat seinen Film Er steht einfach nicht auf dich auf der Grundlage des gleichnamigen US-Bestsellers gedreht. Dieser Ratgeber basiert wiederum auf den titelgebenden Satz, der in einer Folge der Erfolgsserie Sex and the City fällt. Kwapis hat den Weisheiten der Buchvorlage Figuren hinzugefügt, die Rollen mit namenhaften Stars aus der Hollywoodfabrik besetzt und ihre Liebesgeschichten in mehreren Episoden miteinander verwoben. Die fehlgeleitete Kommunikation zwischen den Geschlechtern hatte jüngst die deutsche Kinoproduktion Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken thematisiert, ihrerseits ebenfalls eine Bestsellerverfilmung. Während die Figuren dort stark überzeichnet sind und mehr oder weniger dazu dienen, die Stereotypen zu veranschaulichen, nimmt Kwapis seine nach dem Liebes-Sprachcode suchenden Figuren ernst. Die Verbindung zur gedruckten Vorlage wird durch eingeblendete Zwischentitel zwar deutlich. Dennoch gelingt es dem Regisseur – beispielsweise durch eine weibliche Erzählerstimme – eine für das Medium Film harmonische Lösung zu finden.

Unter den insgesamt neun Hauptfiguren nehmen Gigi und Alex zwei Gegenpole ein. Gigi ist eine Romantikerin, die sich auf der erfolglosen Suche nach der großen Liebe permanent selbst erniedrigt. Alex, an schnelle Abenteuer gewöhnt, erklärt ihr den Grund für ihr Scheitern: Sie deutet die Zeichen der Männer falsch. Sie waren allesamt nicht an ihr interessiert. Mit einer solchen Wahrheit im Gepäck und Alex‘ unverzichtbaren Ratschlägen, begibt sich Gigi im folgenden – wie damals Miranda in Sex and the City auch – zwar desillusionierter, doch auch um einiges abgeklärter auf die ausgetretenen Liebespfade, in der Hoffnung, diesmal rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Doch es kommt, wie es kommen muß: Gigi tappt erneut in die Zeichenfalle. Diesmal hat sie sich in keinen geringeren als Alex verliebt. Dummerweise gab es niemanden, der ihr dabei hilft, Alex‘ Zeichen richtig zu verstehen. Dieser ist nicht interessiert. Und nun? Ende? Nein, natürlich nicht! Wer wird denn den Zuschauer mit dem Gefühl nach Hause schicken wollen, daß es einseitige Lieben geben kann, die nicht glücklich enden? Schließlich erkennt Alex, daß er doch in Gigi verliebt ist, und auch fast alle anderen Figuren finden (wieder) zueinander. Trotz eines kleinen Umweges landet die US-Produktion im Auffangbecken Hollywood. Das ist nicht weiter schlimm, denn dieser Film will nichts als unterhalten, und das tut er. Nach etwas lang anmutenden zwei Stunden Spieldauer wird der Zuschauer schließlich mit der alten Erkenntnis entlassen, daß es für die Liebe keine Formel gibt! 2009-02-10 12:36

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