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Willkommen im Tollhaus

Welcome to the Dollhouse. USA 1995. R,B: Todd Solondz. K: Randy Drummond. S: Alan Oxman. M: Jill Wisoff. D: Heather Matarazzo, Daria Kalinina, Matthew Faber, Angela Pietropinto u.a.
87 Min. Kinowelt ab 7.11.96
Von Dirk Steinkühler Dawn Wiener ist schon eine arme Wurst: elf Jahre alt, etwas pummelig, dicke Brillengläser, geschmacklos gekleidet und unheimlich unbeliebt. Selbst ihre Eltern mögen ihre kleine Schwester, »Little Miss Perfect«, viel lieber. Ihr Bruder ist zudem überall als Streber verschrien, kennt aber Dawns heimlichen Schwarm, den gutaussehenden Steve, mit dem er in einer untalentierten Band spielt. Mit Fassung erträgt sie Steves Demütigungen, die uns Regisseur und Drehbuchautor Todd Solondz schonungslos vorführt. Als »Little Miss Perfect« entführt wird, ist natürlich wieder Dawn schuld, hofft aber, ihrem Schicksal endlich eine andere Wendung geben zu können.

Die Loser-Komödie Welcome to the Dollhouse ist ein äußerst zweischneidiges Vergnügen. Hat der Zuschauer zunächst seinen Spaß an fein ausgearbeiteten Lebensmomenten und an Heather Matarazzo als Dawn, bemerkt er zunehmend, daß sich die Hauptfigur kaum weiterentwickelt und die Story eines Krimieinschlags bedarf, um vorangetrieben zu werden. Die Balance zwischen bitterböser Schadenfreude und Mitgefühl kippt um in Langeweile. Die Realsatire scheint in eine ermüdende Leere zu führen.

Wenn man dann noch von Solondz erfährt, daß er nur seine eigenen schlechten Kindheitserfahrungen auf das andere Geschlecht übertragen wollte, um diese zu parodieren, erhält sein Spaß erst recht einen schalen Beigeschmack. Filmische Selbsttherapie haben wir schon konsequenter und gelungener gesehen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
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