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Tropfen auf heiße Steine

Gouttes d'eau sur pierres brûlantes. F/J 1999. R,B: François Ozon. K: Jeanne Lapoirie. S: Laurence Bawedin. P: Fidélité u.a. D: Bernard Giraudeau, Malik Zidi, Anna Thomson, Ludivine Sagnier u.a.
90 Min. Concorde ab 7.12.00

Ozons Meisterstück

Von Thilo Wydra François Ozon hat sich eines alten Fassbinder-Stücks angenommen und es in Form eines hermetischen Kammerspiels inszeniert: ein Bravourstück in jeder Hinsicht. Irgendwo in Deutschland in den 70ern. Leopold begegnet dem erst 20jährigen Franz und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Die beiden kommen sich näher, und die 30 Jahre, die zwischen ihnen liegen, scheinen vergessen. Franz zieht bei Leopold ein…

Es ist die Geschichte von vier Menschen – zu guter Letzt gibt sich auch noch Leopolds Ex-Frau Vera ein (erotisches) Stelldichein – die alle auf der verzweifelten Suche nach Liebe sind. Allesamt sind sie unschlüssig, schwanken in ihrer sexuellen Orientierung. Manchmal stellt sich das Gefühl ein, daß hier Kinder porträtiert werden, verlorene, ewig spielende Kinder, die dieser Welt fremd geworden sind. Daß es den Darstellern gelingt, eine solch intensive Interpretation des Dramas zu liefern, obwohl die Kamera Leopolds Wohnung nur einige wenige Male verläßt, um eine Außenansicht der Fenster zu zeigen, ist eine Glanzleistung.

Ozon kompromittiert sein Personal nie, sondern schaut behutsam und äußerst subtil in die Abgründe, die hinter jedem Einzelnen liegen. Sein Film ist hochintelligent und doppelbödig, mitunter bitterböse und amüsant zugleich – und über allem liegt der famose Soundtrack mit deutschen 70er-Jahre-Hitparaden-Schmuseschlagern, vor allem von der reizenden Françoise Hardy. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
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