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Trees Lounge

USA 1996. R,B: Steve Buscemi. K: Lisa Rinzler. S: Kate Williams. M: Evan Lurie. D: Steve Buscemi, Mark Boone Jr., Chloe Sevigny, Anthony LaPaglia, Michael Buscemi, Elizabeth Bracco u.a.
95 Min. Arsenal ab 23.1.97
Von Ralf Möller Es wundert schon ein wenig, daß der wohl meistbeschäftigte Schauspieler des amerikanischen Independent-Kinos Zeit für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm gefunden hat, denn Steve Buscemi hat in den letzten beiden Jahren in nicht weniger als zehn Filmen mitgewirkt. So ist sein autobiographisch angehauchtes Regiedebüt Trees Lounge auch dank der Hilfe von Freunden und Schauspielkollegen entstanden.

Tommy (Steve Buscemi) ist ein notorisches Großmaul. Leider hat er deswegen schon seinen Job als Automechaniker und seine Freundin Theresa (Elisabeth Bracco) verloren. Nun hängt er die meiste Zeit in der Trees Lounge- Bar herum. Dort trauern er und die restlichen Stammgäste den verpaßten Chancen des Lebens hinterher oder ertränken die Eintönigkeit des Alltags mit ein paar Drinks. Als sein Onkel Al das Zeitliche segnet, ergibt sich für Tommy eine neue Chance: als Fahrer von Als Eiswagen. Doch seine unfreundliche Art verschreckt die Kundschaft. Erst durch die Hilfe von Theresas minderjähriger Nichte Debbie (Chloe Sevigny) beginnt das Geschäft besser zu laufen.

Es kommt, wie es kommen muß, Debbie und Tommy verbringen die Nacht zusammen. Damit potenzieren sich Tommys Probleme nur noch weiter. Auch wenn er am Ende des Films ein wenig Einsicht zeigt und erkennt, daß er sich und anderen, vor allem seiner Ex-Freundin Theresa, in seinem Leben nur etwas vorgemacht hat, wird Tommy seine Existenz nur mit großen Schwierigkeiten wieder in den Griff bekommen.

Irgendwo zwischen Barbet Schroeders Barfly und Wayne Wangs Smoke kann man Trees Lounge von Steve Buscemi ansiedeln. Auch wenn Tommy nicht das philosophische Niveau eines Henry Chinasky und die Trees Lounge-Bar nicht die Aura von Auggie Wrens Tabakladen besitzt, ist Buscemi trotzdem eine heiter-melancholische Komödie über die Monotonie der amerikanischen suburbs gelungen. Eine Einöde, die nur zwei Möglichkeiten bietet: Entweder die Flucht, wie es Debbie versucht, oder, den Zustand mit ein paar Drinks zu ertränken, wie die Gäste der Trees Lounge.

Eine positive Überraschung ist eigentlich auch die Tatsache, daß sich Trees Lounge eher an den Filmen John Cassavetes' orientiert, als das Kino eines Quentin Tarantinos zu zitieren, zumal wenn man sich die jüngere Vergangenheit des Schauspielers Buscemi in Erinnerung ruft. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.

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