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Schatten der Zeit

D 2004. R,B: Florian Gallenberger. K: Jürgen Jürges. S: Hansjörg Weißbrich. M: Gert Wilden jr.. P: Diana-Film, Fanes Film, CP Medien, Moondragon Films. D: Irfan Khan, Tanishta Chatterjee, Prashant Narayanan, Tilotama Shome, Vijay Raaz u.a.
109 Min. Constantin ab 12.5.05

Ein Deutscher über Indien

Von Frank Brenner Florian Gallenberger ist einer der wenigen Deutschen, die von der Academy of Motion Picture, Arts and Sciences für eines seiner Werke mit dem Oscar bedacht wurde. Im Jahr 2001 erhielt er für den besten Kurzfilm Quiero ser die begehrte Trophäe und ist seitdem ein gefragter Regisseur geworden. Helmut Dietl, der unlängst mit seiner unkomischen Liebeskomödie Vom Suchen und Finden der Liebe unangenehm aufgefallen ist, hat Gallenbergers Drama nun mit seiner Diana-Film koproduziert und damit bewiesen, daß ihn der gute Geschmack doch noch nicht gänzlich verlassen hat.

Schatten der Zeit erzählt die dramatische Liebesgeschichte zwischen Ravi und Masha, die im Indien der 40er Jahre in einer Teppichfabrik Kinderarbeit leisten müssen. Masha wurde von ihrem Vater an den Fabrikbesitzer verkauft, und auch Ravi spart sich seinen Lohn förmlich vom Mund ab, um sich eines Tages wieder freikaufen zu können. Als die beiden Außenseiter sich anfreunden, investiert Ravi sein gesamtes bisher angespartes Geld, um Masha ihre Freiheit wieder zu verschaffen. Masha schwört Ravi, in jeder Vollmondnacht im größten Shiva-Tempel Kalkuttas auf ihn zu warten, damit sie ihr restliches Leben miteinander verbringen können. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Masha, die in der Großstadt ohne Geld schnell in die Prostitution gerät und jahrelang auf eine erneute Begegnung mit Ravi warten muß.

Daß der Film von einem deutschen Team mit deutschen Geldern realisiert wurde, sieht man ihm überhaupt nicht an. Mit indischen Schauspielern on location auf bengalisch gedreht, wirkt er viel eher wie ein authentisches Beispiel des um sozialen Realismus bemühten Bollywoodkinos. Ein wenig seltsam mutet es schon an, daß ein deutscher Regisseur eine solche fernöstliche Geschichte erzählen möchte, wo doch gerade in jüngster Zeit immer mehr indische Filme auch den Weg in unsere Kinos finden. Aber Gallenberger schlägt sich damit nicht schlecht. Die Geschichte mag ein wenig gewöhnlich sein, aber dem Regisseur gelingt es stets, die Klippen der Rührseligkeit, die die Thematik zur Genüge bereithält, gekonnt zu umschiffen. Nicht zuletzt dank überzeugender Darstellerleistungen fiebert man mit den Figuren mit und kann sich in das Seelenleben der Protagonisten problemlos einfühlen. Somit ist Gallenberger ein großes Stück Erzählkino gelungen, dessen internationaler Zuschnitt in den Kinos der Welt seinen Eindruck hinterlassen wird. 1970-01-01 01:00
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