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Raus aus Åmål

Fucking Åmål. S/DK 1998. R,B: Lukas Moodysson. K: Ulf Brantås. S: Michal Leszczylowski, Bernhard Winkler. P: AB Memfis. D: Alexandra Dahlström, Rebecca Liljeberg, Erica Carlson u.a.
89 Min. Concorde ab 2.12.99

Jugendliebe

Von Tom Beyer In Zeiten, in denen im Hollywood-Kino Jugendliche offensichtlich nur noch für stereotype Teenie-Klamotten oder nicht enden wollende Horror-Sequels taugen, bin ich für einen Film wie Fucking Åmål dankbar. Lange Zeit habe ich 16jährige und ihre Sehnsüchte und Probleme im Kino nicht mehr so glaubwürdig gesehen wie in Lukas Moodyssons Debütfilm. Großen Anteil daran haben die reizenden Hauptdarstellerinnen Alexandra Dahlström und Rebecca Liljeberg.

Rebecca Liljeberg spielt die lesbische Agnes. Erst vor anderthalb Jahren ist sie mit ihren Eltern in das titelgebende verschlafene Nest Åmål gezogen, Anschluß hat sie immer noch nicht gefunden, und so ist ihr Computer der einzige, dem sie ihre Träume und Phantasien anvertraut. Durch einen Zufall erfährt die rebellische und coole Wortführerin Elin (Alexandra Dahlström) von Agnes' lesbischer Neigung und setzt Agnes damit dem Spott der anderen Mädchen aus. Doch bald kann sich auch Elin ihren Gefühlen nicht mehr verschließen, und eine wunderbare Jugendliebe nimmt ihren Lauf.

Nein, dies ist nicht einfach ein weiterer Lesbenfilm, der uns im Stile von Better Than Chocolate zeigt, wie mutig und selbstbewußt junge Lesben mit ihrer Liebe und ihrer Umgebung umgehen. Lukas Moodysson gelingt vielmehr eine wunderbar erzählte Jugendgeschichte, die das Kunststück schafft, die Probleme der Protagonistinnen ernst zu nehmen und zugleich äußerst charmant und humorvoll daherkommt.

Mit viel Liebe zu seinen Figuren, lebensnah und undramatisch erzählt Moodysson von den Problemen der Pubertät in einer öden Kleinstadt, von Cliquen- und Gruppenzwängen und davon, wie sich zwei absolut gegensätzliche Mädchen nach etlichen Umwegen über Normen und Zwänge hinwegsetzen. In den Bildern und Figuren steckt dabei so viel Leben, daß Raus aus Åmål über Alters- und Geschlechtsgrenzen hinweg echtes Vergnügen bereitet und auf der diesjährigen Berlinale zum Publikumsliebling avancierte. Sollte es nach den Dogma-Filmen noch eines Beweises für die Lebendigkeit des skandinavischen Kinos bedurft haben, Raus aus Åmål liefert ihn mit Leichtigkeit. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.
© 2012, Schnitt Online

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