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Private Parts

USA 1996. R: Betty Thomas. B: Len Blum. K: Walt Lloyd. S: Peter Teschner. M: Van Dyke Parks. D: Howard Stern, Robin Quivers, Mary McCormack, Fred Norris, Jackie Martling, Gary Dell'Abate, Richard Portnow, Kelly Bishop u.a.
110 Min. UIP ab 24.7.97
Von Antje Krumm In Amerika kann man noch so richtig provozieren. Die Amis sind so prüde, daß es ein sexistischer, nebenbei überaus häßlicher Sprücheklopfer zum erfolgreichsten Radiomoderator der Vereinigten Staaten bringen kann. Der Mann heißt Howard Stern, und sein autobiografischer Bestseller Private Parts wurde jüngst verfilmt. Und wider Erwarten ist das Ergebnis hochgradig amüsant – wahrscheinlich sogar wesentlich lustiger als die Radioshows selbst, die für den durchschnittlichen, an jeden Schockeffekt gewöhnten Europäer eher ziemlich langweilig sein müssen.

In Rückblenden wird der Werdegang Sterns erzählt, der schon als kleiner Junge weiß, daß er zum Radio will, und zielstrebig seine Karriere in Angriff nimmt. Sein Start als Plattenaufleger bei einem kleinen Dorfsender endet kläglich: Weil als Moderator zu schlecht, macht man ihn zum Programmdirektor. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten braucht auch das Großmaul Stern seinen Traum nicht aufzugeben: Er wechselt den Sender, und sein Aufstieg ist spätestens dann nicht mehr aufzuhalten, als er beschließt, im Radio nur noch über das zu sprechen, was ihn wirklich beschäftigt: Sex.

Er verwickelt seine schwarze Newsfrau (Sterns echter sidekick Robin Quivers) in dirty talks, bringt eine Zuhörerin on Air zum Orgasmus (sie setzt sich auf einen Lautsprecher; seine Stimme bringt die Box zum Vibrieren…) und breitet sein eigenes sexlife bis ins allerletzte Detail vor den Hörern aus. Den finalen Triumph erlebt Stern nach seinem Wechsel zu NBC, wo ein Producer versucht, ihn zu zähmen – natürlich vergeblich, denn der wilde Mann des Radios erzielt mit seinen immer provokanteren Shows bald Top-Ratings, die Werbekunden reißen sich um ihn, New York liegt ihm zu Füßen.

Das Interessante an dem Film ist letztlich, daß man beobachten kann, wie Stern als Autor der Vorlage und Darsteller seiner selbst sein eigenes Leben entwirft – nicht etwa tragisch, tief oder bedeutungsvoll. Er idealisiert nicht und nimmt sich selbst nie zu wichtig (selbst wenn es um dramatische Ehe-Krisen oder andere ernste Probleme geht), ist allerdings auch nicht gerade bescheiden.

Und so ist dann auch dieser Film von Trash-Queen Betty The Brady Bunch Thomas kein Meisterwerk, aber ein nettes Stück gutgemachter Kino-Unterhaltung mit bissig gefärbten Einblicken in die US-Radioszene, hübsch pubertärem Humor (prima Titten-Morphing!) und null relevanter Botschaft. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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