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Ein perfekter Ehemann

An Ideal Husband. USA 1999. R,B: Oliver Parker. K: David Johnson. S: Guy Bensley. M: Charlie Mole. P: Miramax Films. D: Rupert Everett, Julianne Moore, Cate Blanchett, Minnie Driver u.a.
97 Min. Kinowelt ab 18.11.99

Very British

Von Manuela Brunner Queen Victoria machte ihrem Namen alle Ehre. Sie herrschte über das riesige britische Kolonialreich. Damals waren britische Ladies noch ladylike und die Gentlemen mindestens ebenso gentlemanlike. Henry James, Bernard Shaw, E.M. Forster und Oscar Wilde zeichneten mit gekonnter und manchmal auch spitzer Feder Porträts dieser Ära. Filme nach solchen literarischen Vorlagen tragen sofort den Stempel Kultur, sind in der Regel aufwendig ausgestattet und »very British« besetzt.

Sehnt sich die Nation von McDonald's und Starbucks nach dem Stil jener Tage, Five o'clock-Tea inclusive Butler mit weißen Handschuhen? Vor vier Jahren dachten wir noch, Oliver Parker wolle ein kleiner Kenneth Branagh sein, seine Othello-Verfilmung mit seinem Vorbild in der Rolle des Jago wirkte auch entsprechend – eine Nummer zu groß. Jetzt liegt die Vermutung nahe, er wolle am Thron des Erfolgspaares Merchant-Ivory rütteln.

Rupert Everett wird seit My Best Friend's Wedding als Schauspieler mindestens ebenso heiß gehandelt wie der wohlhabende Lord Goring als potentieller Ehemann. Von A Midsummer Night's Dream bis Inspector Gadget – sein Rollenspektrum ist enorm. Er bringt die Wilde'schen »witticisms« und vor Paradoxa sprühenden Aphorismen so pointiert, daß es eine Lust ist. Ein Genuß sind vor allem die Wortgefechte Everetts mit seinem Film-Vater John Woods. Mit Indy und Papa Jones können die beiden locker mithalten.

Auch die Damenriege, die den heiratsscheuen Junggesellen umgibt, ist vom Feinsten: Cate Blanchett hat die Air einer jungen Emma Thompson und Julianne Moore, die zuletzt in Cookie's Fortune neben Liv Tyler etwas blaß aussah, gibt eine grandiose Intrigantin – ihre Mrs Cheveley wirkt, als sei sie bei der Marquise de Merteuil in die Lehre gegangen. Nicht zuletzt schafft Peter Vaughan mit einer Wiederholung seiner Rolle als Butler eine schöne Querverbindung zu einem anderen Werk der »very British«-Serie, Remains of the Day.

So herrlich die Schauspieler auch sind, ganz können sie die ungeschickte dramaturgische Führung Oliver Parkers nicht auffangen. Der Einstieg in den Film fällt schwer, erst eine Flut von Informationen, dann eine nervenzehrende »Meet- and Greet«-Sequenz, die durch eine ebenso nervenzehrende »Sehen- und Gesehenwerden«- Abendgesellschaft abgelöst wird. Später gewinnt der Film deutlich an Schwung, jedoch das Denouement nach klassischem »Brief hin, Brief her«-Muster wirkt wieder etwas altbacken.

An den Bildern gibt es nichts zu meckern, David Johnson und Guy Bensley werden den Erwartungen nach Opulenz an die Fotografie und komödien-angepaßter Leichtfüßigkeit an die Montage mehr als gerecht. Wenn nur Oliver Parker nicht so oft seiner Geschichte den Wind aus den Segeln nehmen würde. Zugegeben, das britische Empire wurde auch nicht mit zwei Schiffen erobert aber vielleicht sollte Parker doch versuchen, mit seiner weiblichen Seelenhälfte Kontakt aufzunehmen, um hinter »Victoria's Secret« zu kommen. 1970-01-01 01:00
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