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Nach der Hochzeit

Efter brylluppet. DK/S 2006. R,B: Susanne Bier. B: Anders Thomas Jensen. K: Morten Søborg. S: Pernille Bech Christensen. M: Johan Söderqvist. P: Zentropa. D: Mads Mikkelsen, Sidse Babett Knudsen, Stine Fischer Christensen u.a.
125 Min. Universum ab 1.2.07

In guten wie in schlechten Zeiten…

Von Carsten Tritt Die rund dreißigminütige Exposition von Nach der Hochzeit, in der die erste Hauptfigur (Jacob) präsentiert wird, ist grandios. Das liegt nicht nur allein am Spiel des Darstellers Mikkelsen, sondern es funktionieren die Konstellationen, in die die Figur eingebettet wird – die Arbeit mit den Straßenkindern, die Jacob in Indien betreut oder die Verlorenheit zwischen dänischen Firmenlenkern. Die Figur dieser wortkargen Spaßbremse entwickelt sich im Spiel mit den Ausstattungsstücken und Nebencharakteren und entfaltet mit ihrer introvertierten Art auch ihre Interaktionspartner. Das ist ganz großer Fußballzauber, was sich auch erweist, als es der Rückblenden, derer sich der Film später bei Jacobs Katharsis bedienen wird, gar nicht gebraucht hätte – denn dieser Anfang, vor allem die Bindung an die von ihm betreuten Kinder, von denen er sich zunächst für wenige Tage trennen möchte, um den potentiellen Großspender zu umwerben, ist zu diesem späteren Zeitpunkt noch genauso gegenwärtig, obwohl sie im weiteren Verlauf des Films nur geringe Erwähnung findet.

So wie der Filmanfang hätte es eigentlich noch eine Stunde weitergehen können, einer Handlung hätte es nicht bedurft, dennoch ist sie dann aber, schwupps, einfach da: Jacob erfährt bei der titelgebenden Hochzeit, daß die Braut, gleichzeitig Tochter des Industriellen, der ihn nach Dänemark eingeladen hatte, tatsächlich von ihm gezeugt wurde, was den handlungstreibenden Konflikt bedeutet. Das dies auslösende Drehbuch – wir finden uns also im Genre des Familiendramas wieder – wurde von Anders Thomas Jensen in Zusammenarbeit mit der Regisseurin erstellt, und gehört nicht nur zu Jensens besten Arbeiten, sondern ist, das soll angesichts des Mists, den Jensen in der Vergangenheit schon fabriziert hat, erwähnt werden, sogar richtig gut, wenn es auch das außerordentliche Anfangsniveau nicht aufrechterhalten kann. Es gibt hier und dort ein paar Schwächen bei den weiblichen Charakteren, und schließlich müssen alle Fäden zusammenführen, aber alles in allem ist das grundsolides Dänenkino. Gegen Ende des Films, wenn sich die zuvor etwas blasser wirkende zweite Hauptfigur des Jørgen retrospektiv aus dieser Handlung erklärt, knüpft der Film dann wieder an diese Anfangsstärke an; noch mehr gilt dies für die kurze, konsequente Schlußsequenz, die wieder in Indien spielt und dafür sorgt, daß nicht nur ein ganz ordentlicher Plot, sondern vor allem mindestens anderthalb herausragende Charaktere in Erinnerung bleiben. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.

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