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Im Bann des Jade Skorpions

The Curse of the Jade Scorpion. USA 2001. R,B: Woody Allen. K: Zhao Fei. S: Alisa Lepselter. M: Dick Hyman. P: Gravier. D: Woody Allen, Helen Hunt, Dan Aykroyd, Charlize Theron, David Ogden Stiers, Elizabeth Berkley, Wallace Shawn u.a.
102 Min. Ottfilm ab 6.12.01
Von Carsten Happe Die Rezeption der Regiearbeiten Woody Allens erschöpft sich zumeist in der simplen, bisweilen gar bangen Frage: Ist es ein guter Jahrgang? Allein im Vergleich mit früheren Werken des Meisters scheint eine Bewertung des jeweils aktuellen Films angemessen, so hermetisch ist das Œuvre des ewigen New Yorkers mittlerweile. Isoliert wie die Insel Manhattan.

Die eingangs bemühte Weinmetapher darf bezüglich Im Bann des Jade Skorpions dessen ungeachtet durchaus bejaht und zudem erweitert werden, ist dieser Film doch ein stilsicheres Werk eines gereiften Regisseurs, der hier auch als Schauspieler eine recht gute Figur abgibt. Krankten die letztjährigen Schmalspurganoven noch an einer ungewohnt uneinheitlichen Inszenierung, die die zweite Hälfte jenes Lustspiels gar langweilig geraten ließ, wirkt nun Im Bann des Jade Skorpions wieder wie aus einem Guß – zwar nicht minder locker und verspielt wie so viele Filme Allens in den 90er Jahren, doch erfreulich homogen.

Das Wunder der Hypnose muß zwar mittlerweile zur Hilfe genommen werden, damit der Schauspieler Allen seine liebgewonnene Figur des Frauenhelden aufrechterhalten kann, der Regisseur Allen kann sich hingegen allemal seiner Anziehungskraft auf renommierte Aktricen sicher sein: mit Helen Hunt, Charlize Theron und »Showgirl« Elizabeth Berkley fährt er ein ansehnliches Damentrio auf, welches gewiß auch seinem Ego schmeichelt, zuallererst aber der Story um den Versicherungsagenten, der seine eigenen, in Trance begangenen, Taten aufdecken muß, den nötigen Pfeffer gibt, und zudem das Flair der Roaring Fourties vollendet: Woody Allen und Helen Hunt zanken sich wie zu Spencer Tracys und Katherine Hepburns besten Zeiten, und an Charlize Theron ist glatt eine Veronica Lake verlorengegangen.

Beweisen muß Woody Allen schon lange nichts mehr, am wenigsten seine Ernsthaftigkeit, und so dürfen wir uns daran erfreuen, keine faden Bergman-Imitate mehr über uns ergehen zu lassen, keine vermeintlich tiefschürfenden Introspektionen verbrämter Pseudointellektueller, sondern leichtfüßige, gar hingebungsvolle Burlesken zu erblicken. Das ist, um den Titel des kommenden Allen-Werks vorwegzunehmen, fast schöner als ein »Hollywood Ending«. 1970-01-01 01:00
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