— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Happy, Texas

USA 1999. R,B: Mark Illsley. B: Ed Stone, Phil Reeves. K: Bruce Douglas Johnson. S: Norman Buckley. P: Miramax. D: Jeremy Northam, Steve Zahn, William H. Macy, Josephine McLintock u.a.
98 Min. Concorde ab 6.1.00
Von Thomas Waitz Auf dem Höhepunkt von Mark Illsleys Happy, Texas tanzt und singt eine Gruppe kleiner, in furchtbar kitschige Kostüme gesteckter Mädchen auf einer zusammengezimmerten Holzbühne Björks »It's Oh So Quiet«, und das gehört zum bizarrsten, hinreißendsten und komischsten, was seit langem im Kino zu sehen war.

Happy, Texas – der Titel verweist zum einen auf die Verfassung seines Personals, zum anderen ist das Setting des Films selbst gemeint. Ein kleiner, beschaulicher Ort inmitten des rauhen texanischen Wilden Westens: Zwei Kleinkriminelle auf der Flucht, der eine etwas tumb, der andere verliebt. Der Film extrahiert den größten Teil seiner komödiantischen Wirkung aus liebevoller Milieu- und Charakterzeichnung, den kleineren aus dem Versuch, dem schon totgefilmt geglaubten Genre der Gay Comedy neues Leben einzuhauchen – durchaus erfolgreich.

Das eigentlich Wundervolle an Happy, Texas ist jedoch, wie es dem Regisseur Mark Illsley gelingt, fast beiläufig die gängigen Stereotypen von gay und straight auf den Kopf zu stellen, ohne dabei die mittlerweile selbst Klischee gewordenen Standards schwuler Filmthematik zu bedienen. Während Schnitt und Kameraarbeit, die zumeist die Szenen sehr klassisch und konventionell auflösen, eher kunst- und brotlos reduziert erscheinen und sich somit ganz der Erzählung unterordnen, verdient das sorgfältige Production Design (Maurin L. Scarlata) besondere Erwähnung, weil es dem Film trotz Independent-Budgets zu einer starken visuellen Komponente verhilft. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap