— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Grasgeflüster

Saving Grace. GB 2000. R: Nigel Cole. B: Mark Crowdy, Craig Ferguson. K: John de Borman. S: Alan Strachan. M: Mark Russell. P: Mark Crowdy. D: Brenda Blethyn, Craig Ferguson, Martin Clunes, Tchéky Karyo, Bill Bailey, Jamie Foreman u.a.
91 Min. Advanced. ab 17.8.00
Von Sophia Dauber Wer seinen Sommerabend ganz entspannt ausklingen lassen möchte, dem sei der Besuch von Nigel Coles Grasgeflüster dringendst empfohlen – denn dieser Film verfügt über die nötigen Zutaten, die man zum Wohlfühlen im Kinosessel braucht. Allen voran die hervorragende Brenda Blethyn als passionierte Orchideenzüchterin Grace, die nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten damit zu Rande kommen muß, daß der ihr außer einer trauernden Geliebten und einem Haufen Schulden nichts hinterlassen hat.

So beschaulich-verschlafen das Kaff ist, in dem sich das Ganze abspielt, so unorthodox der Ausweg aus der Misere – gemeinsam mit ihrem Gärtner Matthew (Drehbuch-Coautor Craig Ferguson) macht sie aus dessen bescheidenem Haschischanbau im Schutze der örtlichen Pfarrei alsbald eine blühende Treibhauskultur! Natürlich heimlich – und genau daraus macht dieses kleine komische Britjuwel sich seinen Spaß.

Wenn Grace vor der exzellent fotographierten Küstenlandschaft das erste Mal kifft und dabei den sprichwörtlichen Lachflash kriegt oder zwei neugierige alte Schachteln sich aus den vermeintlichen Teeblättern einen Aufguß bereiten, spätestens dann macht sich auf dem Zuschauergesicht auch ein Grinsen breit. Für weitere Skurrilität sorgen sowohl der ortsansässige Arzt, der Genußmittelforschung am eigenen Leib erprobt (glänzend gutgelaunt gespielt von Martin Clunes, der britischen Fernsehzuschauern wohl leider eher ein Begriff sein dürfte als dem deutschen Publikum), als auch der polizeiliche Ordnungshüter, dem illegaler Lachsfang ein größeres Kapitalverbrechen zu sein scheint als Drogenanbau.

Doch wir wären nicht im britischen Film, wenn nicht der eine oder andere Unterton sich einschleichen würde. Gekonnt wie z.B. Waking Ned oder The Full Monty oszilliert Grasgeflüster zwischen echter menschlicher Tragik und außergewöhnlichen Problemlösungen. Bildlich gesehen gibt's allerdings wenig Aufregung – da kommt das Werk eher konventionell daher – doch dafür gibt es ja die herrlichen Dialoge und so manchen humoresken Sidekick unter Drogeneinfluß diverser Art. Extrapluspunkte gibt es für die Ausstattung – wenn Grace ebenso naiv wie hilflos ladylike im aus der Mode gekommenen Hosenanzug in London auf Dealerfang geht, dann ist das einfach eine Augenweide im uneigentlichen Sinn.

Wer kann, sollte sich den Film unbedingt in der Originalfassung ansehen, dann, und nur dann kommt Fergusons schottischer Akzent richtig zum Tragen und sorgt auch sprachlich für ein bißchen rauhe Brise. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap