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Garfield

USA 2003. R: Peter Hewitt. B: Jim Davis, Joel Cohen, Alec Sokolow. K: Dean Cundey. S: Peter E. Berger, Michael Stevenson. P: Davis Entertainment. D: Breckin Meyer, Jennifer Love Hewitt, Stephen Tobolowsky u.a.
Fox ab 19.8.04

Das digitale Viech

Von Sascha Seiler Kommt ein bißchen spät die Idee, daß man aus dem fetten Comic-Kater auch einen erfolgreichen Film konstruieren könnte. Vielleicht hielt es Garfield-Schöpfer Jim Davis im allgemeinen aber für keine gute Idee, eine echte Katze an Überfütterung zugrunde gehen zu lassen oder gar echte Menschen mit schlecht animierten Zeichentrickfiguren interagieren zu lassen.

Nun gut, wir befinden uns im Zeitalter des digitalen Viechs, und deswegen darf auch Garfield mitsamt all dem 80er Jahre Klamauk antreten, den man eigentlich glücklicherweise schon lang vergessen glaubte. Daß der Kater in seinen Comic-Strips trotz allem immer noch lustig ist, liegt an Davis' präziser Cartoon-Kunst, die alle Stimmungen des Vielfraßes gekonnt einzufangen vermochte. Hierin lag also die Hauptaufgabe der Illusionsmacher: Versuche, die digitale Katzenfresse so witzig wie möglich aus der Wäsche glotzen zu lassen, und tatsächlich: Die Figur Garfield funktioniert in diesem Film schon mal einwandfrei. Dazu bekam er in der Originalfassung noch die Stimme des tranigen, also genialen Bill Murray zugewiesen. Nebenbei verfügt Murray übrigens über eine der gelungensten und am besten passenden Synchronstimmen im deutschen Sprachraum – es kann also nicht mehr viel schief gehen…

Die ersten Trailer bewiesen schon das Gegenteil: Der Super-Gau der deutschen Synchronplanung war eingetreten und der schauspielerisch vollkommen unbegabte und zudem mit den Jahren immer unsympathischer werdende Alt-Moderator Thomas Gottschalk sollte Garfields deutsche Stimme sein. Warum das? Ein Versuch, das 80er Jahre-Revival durch Referenzen auf die schon damals alles andere als witzigen Gags in Gottschalks Kino-Epen mit Mike Krüger auf die Spitze zu treiben? Das zumindest ist gelungen, die Diskrepanz zwischen lustiger Katzenanimation und vollkommen humorfreier Stimme ist geglückt. Man müßte das Original mit Murray gesehen und gehört haben, um beurteilen zu können, ob die Gags aus Garfields Mund nur deswegen so müde sind, weil Gottschalk sich als Co-Autor verbrochen hat, oder ob dieser völlig abgestandene Humor auf Kosten der US-Drehbuchschreiber geht. Wahrscheinlich eher ersteres.

So gesehen ist es völlig sekundär, daß auch die Handlung des Films eher Stirnrunzeln denn nach exzessivem Lachen schmerzende Bäuche hervorruft. Manchmal ist einem das Ganze sogar ein klein wenig peinlich. Daß der Film allerorts auch noch mit dem Mitwirken der Stimmen nahezu talentfreier C-Promis wie Ex-Soap Star Dorkas Kiefer und dem Mützenschmalzbarden Ben beworben wird, ist beschämend für Garfield, Jim Davis, Bill Murray und alle, die diesen Kater in ihrer Kindheit lieb gewonnen haben. 1970-01-01 01:00
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