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Extreme Rage

A Man Apart. USA 2003. R: F. Gary Gray. B: Christian Gudegast, Paul T. Scheuring. K: Jack N. Green. S: Robert Brown, William Hoy. M: Anne Dudley. P: New Line Cinema. D: Vin Diesel, Larenz Tate, Timothy Olyphant, Geno Silva, Jacqueline Obradors, Jeff Kober u.a.
110 Min. Warner ab 27.8.03.

Rache ist Blutwurst

Von Frank Brenner Michael Moore hat uns den Waffenwahn der Amerikaner in seinem oscarprämierten Dokumentarfilm Bowling for Columbine noch einmal eindrucksvoll vor Augen geführt. Der neue Actionfilm des Genrestars Vin Diesel unternimmt erst gar nicht den Versuch, auch nur im Ansatz eine Kritik zu äußern. Er führt uns indes eine ganze Reihe US-Bürger vor, die mit einer Waffe unter dem Kissen schlafen und auch nicht zögern, diese einzusetzen. Außer den beiden Frauenfiguren, die lediglich am Rande vorkommen, hat hier so ziemlich jeder einmal eine Waffe in der Hand, mit der er dann auch mindestens einen anderen Menschen umbringt. Das Ganze gipfelt in einem blutrünstigen Gemetzel, bei dem auf alles geballert wird, was sich bewegt, und der Zuschauer längst den Überblick verloren haben dürfte, wer denn da wen umnietet bzw. wer auf welche Seite gehört. Der Revolver dient, wie in so vielen Actionfilmen, einmal mehr als Phallussymbol für die guten und die bösen Buben, deren Sexualität ansonsten außerhalb des Leinwandgeschehens einzuordnen ist. Stacey, die Gattin des Helden Sean Vetter, ist in den kurzen Szenen ihrer tragischen Ermordung ihrerseits mit der Herstellung von Wachskerzen beschäftigt, womit sie die lange Abwesenheit des Mannes im Haus zu kompensieren versucht. Ihr Tod ist übrigens die Rache dafür, daß der Cop Vetter, ihr Mann, bei der Zerschlagung eines Drogenkartells beteiligt war.

Damit wird seinerseits die extreme Rage Vetters entfesselt, wie der deutsche Verleih so treffend tituliert – eine Selbstjustiz, wie man sie seit Charles Bronsons besten Tagen nicht mehr gesehen hat. Über kausale Zusammenhänge zwischen gewaltverherrlichenden medialen Produkten und der steigenden Gewaltbereitschaft in der (US-) Realität haben sich schon viele kluge Leute den Kopf zerbrochen. Filme wie diesen sollte man allein schon wegen seiner Mittelmäßigkeit nicht verantwortlich machen. Nichtsdestotrotz ist es erschreckend, auf welche Weise hier Gewalt zelebriert und vor den an sich redlichen Karren der Drogenkartellsbekämpfung gespannt wird, ohne diese auch nur ansatzweise kritisch zu hinterfragen. Auch wenn das alles einem Actionfan reichlich egal sein dürfte, sollte ihm bewußt sein, daß sich Vin Diesel mit derartigen Filmen schneller in die Riege seiner Direct-to-Video-Kollegen Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren katapultieren wird, als seine junge Karriere in die Gänge gekommen ist. 1970-01-01 01:00
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