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Mississippi Burning

USA 1988. R: Alan Parker. B: Chris Gerolmo. K: Peter Biziou. S: Gerry Hambling. M: Trevor Jones. P: Orion Pictures. D: Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Gailard Sartain, Stephen Tobolowsky, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince u.a.
128 Min.

Whitewash

Von Asokan Nirmalarajah Die erste Adaption, die die brutale Ermordung von drei jungen amerikanischen Bürgerrechtlern in Mississippi durch Mitglieder des Ku-Klux-Klans aus dem Jahre 1964 als realhistorische Vorlage für ein brisantes Rassendrama nutzte, war ein Fernseh-Zweiteiler von 1975 mit dem Titel Attack on Terror: The FBI vs. the Ku Klux Klan. Die zweite Verfilmung, unter dem nicht minder reißerischeren Titel Mississippi Burning, fertigte der britische Erfolgsregisseur Alan Parker in Hollywood an, ein seinerzeit von der amerikanischen Kritik gefeierter und mit zahlreichen Preisen und Nominierungen bedachter Kassenhit. Und in der Tat ist das bis heute für seinen großzügigen Umgang mit geschichtlichen Fakten und die simplifizierende Darstellung böser weißer Rassisten, heroischer weißer Regierungsagenten und unmündiger schwarzer Opfer in ihrer Mitte umstrittene Kriminaldrama massentaugliches Hollywoodkino. Atmosphärisch dicht fotographiert, gut gespielt und durchweg ansprechend inszeniert, strauchelt der Film aber immer, wenn man hinter die gelackte Fassade der hochkarätigen Hollywood-Produktion schaut und ein so flaches wie plakatives Script erblickt, dessen Dramaturgie aus wenig mehr besteht als: The FBI vs. the KKK.

Mississippi Burning ist längst zu einem Modellfall, zu einem oft zitierten Referenzwerk für politisch liberale, humanistisch und progressiv gestimmte Hollywoodfilme geworden. Deren Bemühung um eine Dramatisierung der mißlichen Position sozial benachteiligter Minoritäten krankt aber häufig daran, daß sie aus (oft kommerziellen Beweggründen) nicht anders können, als von weißen Protagonisten zu erzählen, die angesichts der Ungerechtigkeit, die andere Ethnien erfahren, Schuldgefühle entwickeln und sich im Laufe des Films zur Rettung derselben durchringen müssen. Die Minderheitengruppen selbst bleiben passive, verängstigte Opferfiguren, die nicht mehr zu tun haben, als auf die Erlösung von bösen weißen Männern durch gute weiße Männer zu warten. Ihre eindimensionale Figurenzeichnung als unfreiwillige Märtyrer, spirituelle Unschuldslämmer und Auslöser für die persönliche Entwicklung weißer Helden prangerten nicht wenige Historiker und Kritiker schon bei Richard Attenboroughs Segregationsdrama Schrei nach Freiheit aus dem Vorjahr an. Und auch nach Mississippi Burning entstanden noch Antirassismusfilme mit idealistischen weißen Helden wie Rob Reiners übles Südstaatendrama Das Attentat.

Für die Zuschauer, die sich bei einer gut erzählten Geschichte nicht unbedingt an den weiterreichenden problematischen Repräsentationsstrategien des amerikanischen Mainstreamkinos stören lassen, bietet Mississippi Burning eben genau das: grundsolides Hollywood-Erzählkino. Daß die Geschichte nicht mehr ist als ein konventioneller Western-Plot über zwei ungleiche Helden (der steife, bebrillte Bürokrat Willem Dafoe und der lässige, hemdsärmelige Ex-Sheriff Gene Hackman), die in eine Kleinstadt kommen und die dortige Gesetzlosigkeit mit ihren gegensätzlichen Methoden in Frage stellen, tut der Spannung keinen Abbruch. So pendelt der Film zwischen mehreren Konfrontationen der rassistischen Bewohner des Ortes mit den vorbildlichen FBI-Agenten und der Gewaltakte der Ku-Klux-Klan-Mitglieder gegen die eher selten im Bild zu sehende schwarze Bevölkerung der noch rassisch getrennten Stadt im Süden – bis der hier wieder einmal glänzende Hackman die Schnauze voll hat vom Regelbuch seines Kollegen und zu unlauteren Taktiken greift. Zum Ende scheint das Böse vorerst gebannt, Weiße und Schwarze sind im religiösen Gesang vereint und die wackeren Helden des Neowestern ziehen weiter, in ihr nächstes Abenteuer, um mit Gewalt für Toleranz und Menschenrechte zu predigen. Wer bei diesen kitschigen Schlußbildern eher unfreiwillig lachen muß, kann sich zumindest damit trösten, zuvor noch die Schauspielkunst einer jungen Frances McDormand als geprügelte Ehefrau eines Rassisten genossen zu haben. 2011-07-25 09:02

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