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Sasori – Scorpion

Joshuu 701-gô: Sasori. J 1972. R: Shunya Ito. B: Fumio Kônami, Hirô Matsuda. K: Hanjirô Nakazawa. S: Osamu Tanaka. M: Shunsuke Kikuchi. D: Meiko Kaji, Rie Yokoyama, Isao Natsuyagi, Fumio Watanabe, Yayoi Watanabe, Yôko Mihara, Akemi Negishi, Hideo Murota u.a.
87 Min.

Im Zeichen des Skorpions

Von Michael Kienzl Bevor Shunya Ito in den 1980er Jahren mit Filmen wie Gray Sunset zum seriösen Regisseur wurde, startete er seine Karriere mit einer bis heute bestehenden Sexploitation-Reihe. Basierend auf den Mangas von Toru Shinohara erzählen die »Sasori«-Filme von einer Gefängnisinsassin, die sich mit rabiaten Mitteln gegen ihr repressives Umfeld behauptet. Mittlerweile gibt es, inklusive Remakes, 11 »Sasori«-Filme, der bisher letzte entstand 2008. Ito selbst führte zwischen 1972 und 1973 bei den ersten drei Filmen Regie und sah die Schmuddelfilmchen in erster Linie als Einstieg ins Filmgeschäft.

Sasori – Scorpion, der erste Teil der Reihe, ist im Grunde genommen ein typischer Sexploitation-Film der 1970er Jahre, wenn auch auf höherem künstlerischen und technischen Niveau als viele andere Genrebeiträge. Es geht darin um Matsu, die von ihrem Liebhaber, einem korrupten Polizisten, ausgenutzt wird und schließlich im Gefängnis landet. Dort hat sie sich einen Ruf als äußerst zähe Zeitgenossin erarbeitet und erfreut sich weder bei den Wärtern noch bei den meisten ihrer Mitgefangenen großer Beliebtheit. Die Hauptrolle spielt Meiko Kaji, wie auch in den folgenden drei Filmen, als eine Mischung aus verschwiegener Killerin und sinnlicher Verführerin. Darüber hinaus singt sie auch das Titellied, das vor einigen Jahren in Kill Bill wiederverwendet wurde. Mit Tarantinos Eastern-Hommage teilt Sasori – Scorpion unter anderem den Racheplot: Matsu möchte Vergeltung an ihrem ehemaligen Liebhaber üben.

Der Blick auf Matsu ist charakteristisch für den Umgang mit Heldinnen im Exploitationkino. Egal ob es sich um »Rape and Revenge«- oder Frauengefängnisfilme handelt, es herrscht eine seltsame Gratwanderung zwischen frauenverachtenden und fast feministischen Tendenzen. Einerseits werden die Potagonistinnen als Aggressoren in Szene gesetzt, die sich gegen ihre meist männlichen Unterdrücker entschieden wehren. Gleichzeitig entsteht das alles für ein männliches, heterosexuelles Publikums, was sich vor allem an der extremen Sexualisierung sämtlicher weiblicher Figuren zeigt.

Auch Ito schickt die Gefängnisinsassinnen gleich mehrmals zum Duschen und inszeniert etwas alberne Faustkämpfe, bei denen sich die Kontrahentinnen als erstes die Kleider vom Leib reißen. Trotzdem ist Sasori – Scorpion technisch und künstlerisch deutlich mehr als ein durchschnittlicher Genrebeitrag. Allein Drehbuch und Figurenzeichnung fallen schon differenzierter aus, als man es bei so einem Sujet vermuten würde. Eine hypnotische, lesbische Sexszene wird sogar durch die Handlung motiviert. In erster Linie ist der Film aber wegen seiner aufwändigen und fantasievollen Bilder bemerkenswert

Neben der typischen Ästhetik des Exploitationkinos wie schnellen Zooms und schiefen Kamerawinkeln überschreitet Ito auch immer wieder die Grenze zum Surrealen. Besonders beeindruckend ist eine Rückblende, in der die Vorgeschichte Matsus erzählt wird. Mit expressionistischer Lichtsetzung, dem Einsatz von Drehbühnen und einem verglasten Boden, durch den eine Vergewaltigung gefilmt wird, inszeniert Ito verschiedene Zeitebenen nebeneinander. Auch in der eigentlichen Handlung überschreitet der Film immer wieder die Grenzen des Realismus. Während einer Schlägerei im Gefängnis ändert sich etwa abrupt die Lichtstimmung und eine Angreiferin verwandelt sich in einen Dämon mit toupierten Haaren und gruseligem Make Up. Während solcher psychedelischer Exzesse atmet Sasori – Scorpion schließlich auch ganz den Geist seiner Entstehungszeit. 2011-07-08 15:23

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